© Adriaan van der Ploeg

Meushi, 2007
Lambda-Print on aluminium, 51 x 41 cm


Adriaan van der Ploeg
LMIRL - Let's Meet In Real Life



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Die Galerie Haas & Fischer freut sich die Einzelausstellung des holländischen Fotografen Adriaan van der Ploeg (*1984, lebt und arbeitet in Rotterdam) zu präsentieren.


Die Fotoserie van der Ploegs entstand in Holland und Belgien. In den vergangenen 6 Monaten spürte der Künstler dort Online-Game-Communities auf, holte junge Männer und pubertierende Knaben von ihren Computern weg und fotografierte sie. Der entrückte Blick, blutunterlaufene Augen, aufgesprungene Lippen und die fahle, unreine Haut der Spieler sind scharf im Bild festgehalten und schmeicheln den Porträtierten wenig. Van der Ploeg führt uns die direkt sichtbare Realität des Alltags ungeschönt vor Augen und lässt einige seiner Modelle wie Karikaturen ihrer Selbst erscheinen. Auf dem Bildschirm verwandeln sich die Knaben in muskulöse Helden mit magischen Kräften oder nicht selten in vollbusige Amazonen. Die eindrückliche Foto-Serie könnte kaum sensitiver eine vorwiegend durch junge Männer definierte Massenmedien-Generation dokumentieren. Die gleichzeitig isolierte und online breit vernetzte Gamer-Gesellschaft bildet eine eigene Welt, die auf eigentümlichen Regeln und Codes aufbaut.


Die Foto-Porträts sind jeweils nach dem von den Jungs selbst gewählten Namen ihrer Spielfiguren benannt. Die beliebtesten dieser Online-Multi-Player-Games sind: "World of Warcraft", ein Rollenspiel dessen ästhetische Umgebung auf dem Film "Lord of the Rings" basiert und weltweit 7 Millionen User verzeichnet, sowie "Call of Duty", ein im Zweiten Weltkrieg angesiedeltes Kampfspiel. Der Ausstellungstitel LMIRL ist ein aus dem Netzjargon des www stammender Ausdruck. Zeit ist ein wichtiger Faktor im Internet, weshalb geübte User in Chaträumen, Internetforen und Computerspielen gerne Abkürzungen benutzen. "Let's meet in real life", kurz LMIRL ist ein Aufruf an die in der virtuellen Umgebung gemachte Bekanntschaft, sich in der realen Welt zu treffen.


Es liegt nahe den Triumph, den die junge holländische Fotografie in den letzten Jahren erfahren hat, mit dem Erfolg der alten Meister in Verbindung zu bringen. Einerseits erfreuen sich die zwei häufig verwendeten Genres des holländischen Goldenen Zeitalters (17. Jh.), das Porträt und die Landschaftsdarstellung, auch in der zeitgenössischen holländischen Fotografie grosser Beliebtheit, andererseits fand auch in der niederländischen Tradition die direkt sichtbare, alltägliche Realität grosse Bedeutung. Die amerikanische Kunsthistorikerin Svetlana Alpers nannte dieses niederländische Charakteristikum "die Kunst als Beschreibung". Die Porträts von Rembrandt van Rijn (1606-1669) und Frans Hals (1581-1666) erhalten ihre lebensechte Qualität, in dem sie in einem bestimmten Moment die Art wie Licht auf ein Objekt fällt, wiedergeben. Jan Vermeer (1632-1675) hingegen benutzte mit grosser Wahrscheinlichkeit die Camera Obscura, eine primitive Form der Fotografie, als Zeichenhilfe. Nur dadurch lässt sich der Detailreichtum in seinen Werken erklären.


Viele holländische Fotografen beschäftigen sich kritisch mit den Veränderungen in Gesellschaft und Kultur und übernehmen mit ihrer Kamera die Funktion eines Spiegels. Neben Rineke Dijkstra (*1959) sind auch Célia van Balen (*1965) oder Koos Breukel (*1962) bekannte Vertreter des holländischen Goldenen Zeitalters der Fotografie und haben bereits Eingang in Museen und prominente Sammlungen gefunden.


Ausstellungsdauer 13.4. - 26.5.2007

Oeffnungszeiten Mi-Fr 14 - 18 Uhr, Sa 12 - 16 Uhr


Galerie Haas & Fischer
Sihlhallenstrasse 19
8004 Zürich
Telefon +41 (0)43 538 61 46
Fax +41 (0)43 538 61 53
Email info@haasfischer.com

www.haasfischer.com




Adriaan van der Ploeg
LMIRL - Let's Meet In Real Life



Haas & Fischer is delighted to present a solo exhibition of the Dutch artist, Adriaan van der Ploeg (*1984, lives and works in Rotterdam).


Van der Ploeg's photo series was realized in Holland and Belgium. There the artist tracked down in the past six months Online-Game-Communities, lured young men and pubescent boys away from their computers and took pictures of them. The gamers' disconnected gaze, bloodshot eyes, chopped lips and their pale, impure skin are reproduced razor-sharp in the photographs and do not really flatter their objects. Van der Ploeg displays directly visible everyday reality without adornments and shows some of his models as caricatures of themselves. On the screen these boys transmute into muscle-bound heroes with magic powers or sometimes even into broad-breasted Amazons. The impressive photo series documents in a sensitive way a young men-dominated mass media generation. The game community, at the same time isolated and broadly online connected, constitutes its own world with its proper rules and codes.


The portraits are called after the boys' chosen names of their avatars. The most popular of these Online-Multi-Player-Games are "Call of Duty", a World War Two game and "World of Warcraft", a role play settled in a fantasy world in the manner of the movie "Lord of the Rings". The game community of WoW counts about 7 Mio users worldwide. The exhibition title LMIRL is a term used in the www. As time is an important factor in the internet, skilful users like to work with acronyms in chats, forums and computer games. "Let's meet in real life" (LMIRL) is an invitation to the acquaintances made in the virtual environment to meet in reality.


It seems obvious to link the success of Dutch contemporary photography from the last years with the great international reputation of the painting tradition of the Netherlands. On one hand there are the two most common genres, portrait and landscape, from the Dutch Golden Age, also very popular in today's photography and on the other, there is a Dutch tradition that focuses also on the direct visible, everyday reality, which the American art historian Svetlana Alpers once called the "art of describing". Portraits by Rembrandt van Rijn (1606-1669) and Frans Hals (1581-1666) achieve life-like quality by reproducing the way light falls on an object. Jan Vermeer (1632-1675) however is most probable to have used a Camera Obscura, a primitive form of photography, as a drawing aid. This seems the only way to explain the abundance of details in his works.


Many Dutch photographers' oeuvre revolve around changes in society and culture. Together with Rineke Dijkstra (*1959) there are others like Célia van Balen (*1965) or Koos Breukel (*1962), prominent representatives of the Dutch Golden Age of photography, who have already found their way into museums and important collections.


Exhibition 14 April - 26 May 2007

Gallery hours Wed-Fri 2 - 6 pm, Sat 12 - 4 pm