© Andro Wekua

Courtesy Galerie Peter Kilchmann, Zürich


Andro Wekua
This Would Have Been Wonderful



Auf einem Bett sitzt ein junges Mädchen und blickt ein wenig verloren in die Ferne. Gleichermassen im Kunstraum ausgesetzt und auf dem künstlerischen Möbel sorgsam gebettet, erregt sie unsere Aufmerksamkeit. Sie wirkt fragil und dennoch bestimmt. Die Installation ist aus Ton gebrannt. Der Glanz der Glasur überzieht die ganze Figur wie eine Imprägnierung gegen die Aussenwelt. Als Besucher betritt man die Szenerie und wird augenblicklich mit einer gewissen Intimität konfrontiert. Wie nähert man sich dieser, ihrer Geschichte? Und welche Rolle hält man als betrachtender Akteur inne?


Der Titel der Ausstellung "That Would Have Been Wonderful" weist auf eine Leitstruktur in Wekuas Werk hin: jene der instrumentalisierten Fiktion. "Wunderbar, wäre es gewesen," lesen wir. Obschon wir nicht wissen, wovon der Künstler spricht, umhüllt eine spannungsreiche Stimmung den künstlerischen Ort der Ausstellung. Die zahlreichen Mysterien im Werk von Andro Wekua haben Kalkül. Wir begegnen "Namenlosen Strassen" oder "Mary", einem Mädchen, das, offenbar als Flüchtling, in einem etwas heruntergekommenen Hotel wohnt.


Wekua ist ein Meister der Andeutung, der feinen Geste. Seine narrativen Strukturen sind zielgenau und dennoch erstaunlich offen. Es werden Geschichten angedeutet, die im Kopf des Betrachters fertig erzählt werden, die Fantasie des Künstlers aufnehmend. Einst in Georgien geboren und schon seit langem in Deutschland und der Schweiz lebend, ist Wekua gleichermassen mit der Lebensrealität hier, in der früheren Sowjetunion und im heutigen Georgien vertraut. Das sowjetische Georgien seiner Kindheit bleibt allerdings unerreichbar und begründet eine Art künstlerischen Mythos.


Die Heimatstadt Sochumi, einst Feriendestination sowjetischer Funktionäre, malerischer Küstenort mit Zitronenbäumen, ist heute Sperrzone und bleibt auch daher ein Reservoir der Erinnerung: Das Haus der Grossmutter, das Schwarze Meer, politische Wirren, der Pingpong-Tisch hinter dem Haus, das Begräbnis des Vaters. Aus den Fragmenten dieser Black Box konstituiert Wekua atmosphärische Bilder. Auf einer Zeichnung steht in krakeliger Schrift "I see", ein bisschen weiter unten folgt der Zusatz "Black see".


Im Blindflug durchstreifen wir eine geografische und biografische Fiktion, die dem Künstler selbst bisweilen sehr nahe kommt. Geschickt siedelt Wekua seine gezeichneten, collagierten oder gefilmten Bilder im No man’s Land an - zwischen Westen und Osten, Ästhetik und Improvisation, Zuversicht und Melancholie. Er konstituiert eigene, bildhafte Drehbücher, die mit seiner Vergangenheit spielen und diese gleichwohl zur Fiktion stilisieren. Im Frühjahr 2005 erscheint ein Katalog bei der Edition Patrick Frey.


Mit freundlicher Unterstützung von McKinnivan Moos Inc. Cham, Galerie Peter Kilchmann Zürich, Cassinelli-Vogel-Stiftung Zürich. Herzlichen Dank an Pius Sidler, Peter Kilchmann, Patrick Frey, Allessandro Pascarella, Victor Escobar und Marc Zumstein.


Ausstellungsdauer: 11.9. - 4.11.2004
Öffnungszeiten: Di-Fr 14 - 18 Uhr, Sa/So 12 - 17 Uhr


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