© Markus Selg

Markus Selg: Diamantenräuber, 1999


Borrowed Images

Olaf Breuning
, André Butzer, Barnaby Furnas, Thomas Helbig, Wade Guyton & Kelley Walker, Mark Leckey, Ivan Morley, Markus Selg, Thaddeus Strode


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Mit dem Ausstellungszyklus "Imagination Becomes Reality" möchte Ingvild Goetz durch die Gegenüberstellung und den Vergleich von zeitgenössischen Kunstwerken die Möglichkeit bieten, Malerei in ihren unterschiedlichsten Ausdrucksformen und Techniken zu entdecken. "Borrowed Images", der vierte Teil dieser fünfteiligen Ausstellungsserie zeigt die Werke von zehn Künstlern aus der Sammlung, die zwischen 1964 und 1974 geboren wurden. Es handelt sich um André Butzer, Olaf Breuning, Barnaby Furnas, Thomas Helbig, Wade Guyton & Kelley Walker, Mark Leckey, Ivan Morley, Markus Selg und Thaddeus Strode.


Sie alle vereint in ihrer Arbeitsweise der Zugriff auf Quellenmaterial, das einem allgemein zugänglichen Bilderpool - aus den Printmedien, dem Fernsehen und dem Internet, aus dem Alltag der Medien und Konsumwelt, der (Kunst-) Geschichte - entstammt. Es geht in ihren Arbeiten jedoch nicht darum, sich das Ausgangsmaterial anzueignen oder in wieder erkennbarer Form zu zitieren. Vielmehr schaffen alle Künstler ihre eigenen, ganz individuellen Kunstwelten. In diesem Sinn bezieht sich der Titel "Borrowed Images" nicht auf "geborgte Bilder", wie man sie beispielsweise aus der Pop Art oder Appropriation Art kennt, sondern darauf, wie aus "entlehnten" Bildern und der eigenen Fantasie - auch unter dem Vorzeichen des Haupttitels "Imagination Becomes Reality" - etwas Neues entsteht. Stilistisch unterscheiden sich die Bilder, Skulpturen und Videos in dieser Ausstellung genauso wie in ihren Herstellungsweisen. Diese decken ein Spektrum inklusive möglicher Zwischenstadien von klassischen Zeichnungen und Übermalungen mit Öl, Acryl-Farben und Aquarell bis hin zu Siebdrucken und Tintenstrahl-Ausdrucken ab. Die Videos entstehen technisch gesehen zum einen auf traditionelle Weise oder greifen auf gefundenes Bildmaterial als auch Computeranimationen zurück, die zu Videocollagen zusammengesetzt werden.


Der vierte Teil des Ausstellungszyklus' "Imagination Becomes Reality" verstärkt den Eindruck, dass trotz der heutigen Gleichberechtigung aller künstlerischen Medien, malerische Strategien sowohl in der Skulptur, der Fotografie als auch dem Video immer noch eine herausragende Rolle einnehmen. Andererseits hat auch die Malerei sehr undogmatisch längst ihre klassischen Grenzen überschritten, so dass nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch sehr spannende, ungewöhnliche neue Bildvisionen entstehen können.


André Butzer (*1973 in Stuttgart, lebt und arbeitet in Berlin)
In seinen Bildvisionen vermischt der Berliner André Butzer triviale und historisch bedeutende Referenzen. Angeregt beispielsweise von Walt Disney verwendet er selbstkreierte Figuren, die als Synonym für historische Personen aus dem 3. Reich und anderen geschichtlichen Epochen benutzt werden. Es ist ihm dabei allerdings nicht wichtig Partei zu ergreifen oder zu zeigen, ob diese Personen eine gute oder böse Rolle gespielt haben. Sowohl formal als auch in ihrer Ausdruckskraft sind sie kaum unterscheidbar. Nur eine schriftliche Benennung oder Betitelung im Bild selbst deutet auf bekannte Persönlichkeiten und Plätze hin.


Olaf Breuning (*1970 in Schaffhausen (CH), lebt und arbeitet in Zürich und New York)
Eine völlig bizarre Welt aus Monstern, Psychopathen oder ausserirdischen Wesen erschafft der Schweizer Olaf Breuning. Seine Filme konfrontieren den Betrachter mit diesen Gestalten in Geschichten von überschäumender Fantasie, voller Humor und versteckten Anspielungen. Diese beziehen sich auf gängige, aus dem kollektiven Gedächtnis jedermann vertrauten Klischees aktueller Filmproduktionen sowie der Filmgeschichte. Seine Installationen und Fotos wirken oftmals wie Fragmente oder Standbilder aus diesen Filmen.


Barnaby Furnas (*1973 in Philadelphia, lebt und arbeitet in New York)
Der New Yorker Künstler Barnaby Furnas entwickelt in seinen Arbeiten bizarre Welten, in denen Inhalt und Präsentation in starkem Kontrast stehen. Auf den ersten Blick fühlen wir uns spontan angezogen von seinen farbenfrohen Bildern und bemerken erst bei genauerem Hinsehen, dass aus seinen Figuren Blut spritzt und sie von Kugeln durchsiebt werden. Das dabei entstehende Blutbad ist so kunstvoll und raffiniert, dass die Schönheit den Schrecken vergessen lässt. Fragmetarisch zappt sich Furnas im Schnelldurchlauf durch die amerikanische Geschichte, die wie einfache Fernsehunterhaltung präsentiert wird, in der seine Konzepte auch ihren Ursprung haben.


Wade Guyton & Kelley Walker (*1972 in Hammond Indiana/*1969 in Georgia, leben und arbeiten in New York)
Die New Yorker Wade Guyton und Kelley Walker, die als Einzelkünstler, aber auch als Team arbeiten, verwenden den Computer als "Malmaschine". Ihre Arbeiten basieren meist auf vorgefundenem Material aus der Kunst, den Medien und der Werbung. Ihre Bilder entstehen aus dem unbegrenzten Bilderrepertoire der Markenästhetik der Werbung, aber auch des Internets und anderen digitalen Medien und werden oft direkt auf die Leinwand gedruckt. So setzen sich Guyton/Walker in einem zeitgenössischen Kontext mit den Phänomenen der Pop- und Medienkultur auseinander und greifen auf Warholsche Konzepte zurück.


Thomas Helbig (*1967 in Rosenheim, lebt und arbeit in Berlin)
Für seine Skulpturen und Bilder verarbeitet Thomas Helbig Objekte, die er auf Trödelmärkten findet. Während er bei seinen Skulpturen Einzelteile mit Bauschaum oder Gips und Lack zu befremdlich erscheinenden Wesen verarbeitet, bleiben seine Gemälde rätselhaft und uneindeutig. Die monochrom gehaltenen Übermalungen von vorgefundenen Bildern des Künstlers erinnern zwar ebenfalls an rätselhafte Gestalten und Tiere, doch für den Betrachter bleibt fraglich, was auf den Leinwänden tatsächlich zu sehen ist.


Mark Leckey (*1964 in London, lebt und arbeitet in London)
Der englische Künstler Mark Leckey findet seine Quellen in den Strassen der Stadt London. So inspirieren ihn der Lebensstil und das Lebensgefühl der Metropole. Er bezieht sich dabei nicht nur auf das Heute, sondern greift häufig auf Filmaufnahmen aus den 1970er und 1980er Jahren zurück, die als clipartige Filmcollagen neu montiert werden. Seine Kunstfigur "LondonAtella" erobert als moderner Flaneur in traumähnlichen Sequenzen mit gewaltigen Schritten und Sprüngen die Grossstadt. Durch technische Eingriffe sowie Musik produziert er Geschwindigkeit, Dynamik und endlose Partys auf die Projektionsfläche.


Ivan Morley (*1966 in Burbank, Kalifornien, lebt und arbeitet in Los Angeles)
Ivan Morley ist ein Geschichtenerzähler, dessen vielfältige Werke von kalifornischen Mythen und Städten inspiriert sind. Um seine Visionen zu formulieren, verbindet der Künstler sehr unterschiedliche Materialien. Statt jedoch zeitgenössische Techniken anzuwenden, greift er auf lang bewährte und traditionelle Arbeitsweisen zurück: er strickt, stickt, fügt aneinander oder malt und schafft damit eine völlig eigene künstlerische Position.


Markus Selg (*1974 in Singen, lebt und arbeitet in Berlin)
Die Arbeiten von Markus Selg erschliessen sich häufig als Interaktion von Bildern, Skulpturen und architektonischen Versatzstücken. So befasst er sich mit der Geschichte, ihren Symbolen und Archetypen. Monumentale Architektur und dramatische Szenen, oft angelehnt an alte Filme und Bühnenbilder, Geschichten und Mythen sind ebenfalls ein Fundus, aus dem der belesene Künstler schöpft und schliesslich vor allem am Computer seine Bilder komponiert. Das Resultat sind theatralische Landschaften ohne Raum und Zeit, in denen sich Momente des Grauens und Comic-Assoziationen in schillernde, aber auch bedrohlich anmutende Zukunftsvisionen verwandeln.


Thaddeus Strode (*1964 in Santa Monica, Kalifornien, lebt und arbeitet in Pasadena, Kalifornien)
In seinen grossformatigen Arbeiten visualisiert der Amerikaner Thaddeus Strode zauberhaft anmutende Traumwelten, die von seltsamen Kreaturen bewohnt werden. Strodes künstlerische Stärke liegt in der Verbindung einer Vielzahl von Strömungen und Stilen. Es offenbart sich ein fantastisches Universum, in dem das Unheimliche und Surreale, das Groteske und Skurrile mit Karikaturen eine Symbiose eingehen. So mischen sich Fragmente aus Mythologie, Volksmärchen und Science Fiction mit Versatzstücken aus Comic- und Popkultur. Aber auch schwarzer Humor lässt sich in seinen Bildern entdecken, die viel Raum für Assoziationen und Interpretationen lassen.


Ausstellungsdauer: 26.6. - 30.9.2006

Oeffnungszeiten: Mo-Fr 14 - 18 Uhr, Sa 11 - 16 Uhr
Besuch nur innerhalb der Öffnungszeiten nach telefonischer Anmeldung.


Sammlung Goetz
Oberföhringerstrasse 103
D-81925 München
Telefon +49 (0)89 95 93 96 90
Fax +49 (0)89 95 93 96 969
Email info@sammlung-goetz.de

www.sammlung-goetz.de
www.likeyou.com/olafbreuning Olaf Breuning



Borrowed Images

Olaf Breuning
, André Butzer, Barnaby Furnas, Thomas Helbig, Wade Guyton & Kelley Walker, Mark Leckey, Ivan Morley, Markus Selg, Thaddeus Strode


"Imagination Becomes Reality" is a series of exhibitions conceived and planned by Ingvild Goetz to offer visitors an opportunity to contrast and compare works of contemporary art, enabling them to discover the wide variety of forms and techniques of painting. "Borrowed Images", the fourth of the five-part exhibition series, shows the works of ten artists from the collection who were born between 1964 and 1974. The artists involved are André Butzer, Olaf Breuning, Barnaby Furnas, Thomas Helbig, Wade Guyton & Kelley Walker, Mark Leckey, Ivan Morley, Markus Selg, and Thaddeus Strode.


What is common to their working methods is the use of source material deriving from a pool of images accessible to everyone - printed matter, TV, the Internet, ordinary media, the world of consumption, and the history of art. However, their works are not about appropriating this initial material or citing it in recognizable form. Each of the artists has fashioned an individual style of his own from it. In this respect, the "borrowed images" of the title is not to be understood as it would be in the context of Pop Art or Appropriation Art, but as referring to something new created by the artist's imagination out of borrowed images, with a nod in the direction of the series title "Imagination Becomes Reality". The pictures, sculptures and videos in this exhibition differ stylistically and in production techniques. The latter embrace a spectrum ranging from classic drawings and overpaintings with oil, acrylics and watercolors through to silkscreen prints and inkjet prints, with all kinds of intermediate forms on the way. Technically, the videos are produced in the traditional manner or make use of found material or computer animations compiled into video collages.


The fourth of the "Imagination Becomes Reality" exhibitions reinforces the impression that despite the equal status accorded to all artistic media, painterly strategies continue to take a key role in sculpture, photography and even video. Then again, painting itself has long breached its classic confines in a very undogmatic fashion so as to give rise to new pictorial visions that are exciting and unusual not only in subject matter but also technically.


André Butzer (*1973 in Stuttgart, lives and works in Berlin)
In his pictorial visions, Berlin-born André Butzer mixes trivial and historically important references. Inspired for example by Walt Disney, he uses figures he has created himself as synonyms for historical personages from the Third Reich and other historical eras, though his interest is not in taking sides or showing that these people acted well or badly. Both formally and in communicative power they are scarcely distinguishable. Only a written caption or reference in the picture itself indicates familiar personalities and places.


Olaf Breuning (*1970 in Schaffhausen (CH), lives and works in Zurich and New York)
Swiss artist Olaf Breuning creates a completely bizarre world of monsters, psychopaths, or extra-terrestrial creatures. His films confront the viewer with these figures in stories of exuberant fantasy, full of humor and hidden allusions. The latter relate to clichés of current or historical film productions that are firmly lodged in the collective consciousness and are familiar to everyone. His installations and photos often look like fragments or stills from these films.


Barnaby Furnas (*1973 in Philadelphia, lives and works in New York)
New York artist Barnaby Furnas creates bizarre worlds in his works in which content and presentation are in stark contrast. At first glance, we feel spontaneously drawn to his colorful pictures, and it is only when we look closer that we see blood spurting from his figures and bullet holes peppering them. The bloodbath thereby arising is so artful and sophisticated that beauty drives out alarm. Furnas takes us on a high-speed, potted version of American history that comes across as simple television entertainment, which is indeed the source of his ideas.


Wade Guyton & Kelley Walker (*1972 in Hammond, Indiana/*1969 in Georgia, live and work in New York)
New Yorkers Wade Guyton and Kelley Walker, who work both as individuals and as a team, use the computer as a "painting machine." Their works are based mostly on found material from art, the media and advertising. Their pictures are derived from the unlimited repertory of images in the brand esthetics of advertising, but also from the Internet and other digital media, and are often printed directly onto the canvas. Guyton/Walker explore the phenomenon of pop and media culture in a contemporary context, often drawing on some of Warhol's ideas.


Thomas Helbig (*1967 in Rosenheim, lives and works in Berlin)
Thomas Helbig uses objects that he finds in junk markets for his sculptures and pictures. Whereas in his sculptures he uses construction foam, plaster, or paint to turn individual parts into unfamiliar entities, his paintings remain enigmatic and ambiguous. Though the monochrome overpaintings of the artist's existing pictures are likewise reminiscent of enigmatic figures and animals, the viewer is left wondering what he is actually looking at on the canvas.


Mark Leckey (*1964 in London, lives and works in London)
English artist Mark Leckey finds his material in the streets of London, being inspired by the lifestyle and vitality of the metropolis. The subject matter he draws on is taken not just from contemporary life but also includes film stills from the 1970s and 1980s, which are reassembled into new film clips like montage. His fictional character LondonAtella is a latter-day man-about-town, conquering the city in dream-like sequences, with huge steps and leaps. Technical interventions and music help to produce pace, dynamism and endless parties on the projection screen.


Ivan Morley (*1966 in Burbank, California, lives and works in Los Angeles)
Ivan Morley is a storyteller whose diverse works are inspired by Californian myths and cities. The artist combines a very wide range of materials to formulate his visions, but instead of applying contemporary techniques, he resorts to tried and tested traditional working methods - he knits, embroiders, joins together, or paints, thereby creating an artistic approach entirely his own.


Markus Selg (*1974 in Singen, lives and works in Berlin)
The works of Markus Selg often turn out to be interactions between pictures, sculptures, and architectural sets. His subject matter is history, and its symbols and archetypes. Monumental architecture and dramatic scenes (often borrowed from old films and stage sets), stories, and myths likewise provide a fund of material that the well-read artist draws on and finally composes into images, principally on his computer. Theatrical landscapes without space and time are the result, in which elements of horror and comic associations are transformed into glittering but sometimes also alarming-looking visions of the future.


Thaddeus Strode (*1964 in Santa Monica, California, lives and works in Pasadena, California)
American artist Thaddeus Strode produces large-format works depicting magical-looking dream worlds inhabited by strange creatures. Strode's artistic strength lies in combining a variety of currents and styles. A fantastic universe is revealed in which the sinister and the surreal, the grotesque, and the farcical enter into a symbiosis with caricature. Thus fragments from mythology, fairy tales, and science fiction mingle with standard images from the world of comics and pop culture. But there is also a trace of black humor in his pictures, which leave much scope for associations and interpretations.


Exhibition: June 26 - September 30, 2006

Opening hours: Mon-Fri 2 - 6 pm, Sat 11 am - 4 pm
Visitation is possible during opening hours. Please ask for an appointment.


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