© Christian Weihrauch

Turnschuh, Serie: Der Freund, 2007
color pencil on paper, 24 x 17,5 cm


Christian Weihrauch


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Über das allmähliche Verfertigen der Geschichten beim Zeichnen
Zauberhaft entspinnt der Zeichner Christian Weihrauch das Seemannsgarn seiner Buntstiftzeichnungen: Aus dem weissen Blattgrund webt sich das Garn zur Linie, dann zur mehrschichtigen, textil anmutenden Struktur feinster Schraffuren, alsbald zum offenen Umriss. In diesem kann der Betrachter oft unschwer ein dinghaftes Motiv erkennen: einen Turnschuh, eine Unterhose, eine Pfeife. Dinge, die uns umgeben, umkleiden, umgarnen; sich und uns mit Erlebnissen und Erinnerungen anfüllen.


Diese Geschichten, welche die Dinge beseelen und ihnen eine Feinstofflichkeit jenseits der Materialität bescheren, sind denn auch der Ideenstoff für Christian Weihrauchs zeichnerisches Weben. Träumerische figurative Darstellungen, in Motiv und Symbolik in der mittelalterlichen Tafelmalerei angesiedelt, beleben und bevölkern die gezeichneten Objekte. Plötzlich in einer assoziativen Realität verortet, sind in seinen Zeichnungen sowohl die Gesetze der funktionalen Logik als auch der Halbwertszeit von Materie ausgehebelt: Dies ist der Stoff aus dem Reich der Traum- und Erinnerungswelt. Dorthin begibt sich der Zeichner auf seinen Expeditionen.


Den Hafen der naturalistischen Darstellung von Objekten hat Christian Weihrauch schon lange hinter sich gelassen. Weisse Flecken auf der Landkarte locken: Sie versprechen ungeahnte Dimensionen in der Überlagerung von figürlichen und assoziativen Erzählstrukturen. Die Brechung des Motivs durch narrative und surreale Überhöhung ist dabei sein Kompass. Die wunderlichen Szenen gehen dabei weit über die formale Verspieltheit hinaus: Dem Zeichner sind sie die Pforte zur Innenwelt der Dinge.


Auf dem Weg dahin ist die Einfachheit des Mediums eine bewusste Wahl: Der Buntstift in seiner technischen Unmittelbarkeit bedingt ein langsames Schichten verschiedener Farbnuancen. Nur so ist eine gesteigerte plastische Farbigkeit zu erzielen. Dass die Entstehung einer Zeichnung nicht prämeditiert werden kann, sondern traumwandlerisches Vertrauen und die Haltung eines Empfangenden abverlangen, ist ein wichtiger Aspekt des künstlerischen Selbstverständnisses von Christian Weihrauch und frei nach Kleist zeichnerisches Sinnbild für die Geisteshaltung, die erst das fabulierende Zeichnen ermöglicht.


Silvia Lorenz


Ausstellungsdauer 23.8. - 20.10.2007

Oeffnungszeiten Mi-Fr 14 - 18.30 Uhr, Sa 10 - 16 Uhr und nach Verabredung


Galerie Römerapotheke
Langstrasse 136
8004 Zürich
Telefon +41 (0)43 317 17 80
Fax +41 (0)43 317 17 90
Email gallery@roemerapotheke.ch

www.roemerapotheke.ch





Christian Weihrauch


Christian Weihrauch shows crayon drawings "with their unconventional, tender, and fabric-like structures and with their strange, fantastic themes. They provide him with a painter's reference, yet not in the sense of colouring a world of pictures but rather as a linearly growing colour pattern. This world of colours that can be sensed in the drawings grows, through this line, to a sculptured and, at times, imaginary space. However, these make-believe rooms are not built structurally; they grow in themselves. Colours and hatchings form abstract shapes, they indicate the subject, and form a microstructure, which makes the drawings grow from inside. "Crayons enable me to spy out dream dimensions directly without violating their three-dimensionality. The proliferation of patterns and textures creates regions which I have to explore and which I would like to take with me - like frozen crystals."


(Excerpt from a text by Dr. Katja Schneider, Kunstmuseum Sachsen-Anhalt)


Exhibition 23 August - 20 October 2007

Gallery hours Wed-Fri 2 - 6:30 pm, Sat 10 - 4 pm, and by appointment