© Erwin Wurm

Monk with wooden planks, 2003
from the series "Brothers and Sisters"
C-Print, 80 x 65 cm


Erwin Wurm


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Erwin Wurm (*1954, lebt in Wien) präsentiert in der Galerie arsFutura Ausschnitte aus zwei Fotoserien, die mit gesellschaftlichen Konventionen und deren Verletzungen experimentieren.

In der Serie mit dem Titel "Anleitungen zum politisch inkorrekt sein" werden in alltäglichen Situationen groteske Handlungen vollzogen, die den allgemeinen Grundkonsens gesellschaftlicher Verhaltensnormen unmittelbar brechen. In der Fotographie "Inspection" steckt ein Mann einer teilnahmslos plaudernden Frau den Kopf in den Ausschnitt und inspiziert ihr Decolleté. Die Szene findet in einem öffentlichen Restaurant statt. In "Two ways of carrying a bomb" steht sich der gleiche Mann teilnahmslos gegenüber und trägt - einmal hinten, einmal vorne - in der Hose eine kugelförmige Auswölbung. Politische und gesellschaftliche Normen werden ins Komische gezogen. Die Absurdität der Szenen stellt gesellschaftliche Verhaltensregeln in Frage und zieht ihre Gültigkeit in Zweifel.

Bei der zweiten Serie mit dem Titel "Brüder und Schwestern" handelt es sich um eine Auftragsarbeit für ein Kloster. Mönche und Nonnen werden in grotesken Inszenierungen gezeigt, die mit religiösen Symbolen verschiedener Herkunft spielen. Sie zitieren einerseits aus dem Fundus einer spezifisch österreichischen Tradition des restriktiven Katholizismus. Durch Einbezug jüdischer Symbole andererseits erschliesst der Künstler auch einen kulturaustauschenden Zugang zum Phänomen Religion. Gegenstände wie Brot, Apfel, Kreuz, Boden, die in der christlichen Tradition eindeutige Anspielungen auf Sakrament, Sündenfall, Opfer und Weihe besitzen, sowie die jüdische Symbolhandlung des Betens an der Klagemauer, werden in neuen Arrangements präsentiert. Die Inszenierungen besitzen auf den ersten Blick immer absurden Charakter. Oberflächlich zeigen sie Witz, unterlaufen aber bei genauerer Betrachtung die Institution Kirche auf subtile Weise. Sie legen die Absurdität kirchlicher Konventionen und Regeln offen und zielen auf tabuisierte Themen, etwa Sexualität, sinnentleertes Ritual und schematisierte Nachfolge.

In beiden Serien erreicht Erwin Wurm eine Irritation des Betrachters und eine Infragestellung konventioneller Handlungsnormen. Er zielt mit seinen absurden Szenen und ihrem Kontrast zur Ernsthaftigkeit der verwendeten Zeichen auf die Sinnlosigkeiten und Widersprüche herkömmlicher Symbolsysteme. Wie schon in früheren Arbeiten, begeben sich Menschen durch ihre Handlungen und ihre Interaktionen mit Gegenständen im Raum in skulpturhafte Posen. Erwin Wurm dokumentiert in seinen Bildern diese menschlichen Fähigkeiten zur aberwitzigen Selbstinszenierung. Seine Arbeiten irritieren und amüsieren - sei es innerhalb des Systems Kunst, indem er Medien und Gattungen kombiniert, oder sei es innerhalb des Systems Gesellschaft, indem er Normen und Regeln auf ihre Gültigkeit testet.


Sabine Rusterholz, April 2003


Ausstellungsdauer: 16.5. - 12.7.2003
Oeffnungszeiten: Di-Fr 13-18 Uhr, Sa 12-16 Uhr


Galerie arsFutura
Nicola von Senger
Bleicherweg 45
8002 Zürich
Telefon: 01 201 88 10
Fax: 01 201 88 11
E-Mail: info@arsfutura.com

www.arsfutura.com





Erwin Wurm


In the Gallery arsFutura Erwin Wurm (*1954, lives in Vienna) presents several pieces from two photo series, which experiment with social conventions and their violation.

In the series, titled "Instructions for political incorrectness" general fundamental agreements of social behavioral standards are directly broken in grotesque actions of the everyday. In the photography "Inspection", a man examines the décolleté of an indifferently talking woman with his head in her shirt. The scene takes place in a public restaurant. In "Two ways of carrying a bomb" the same man carries - once in the back, once in the front – a round ball in his pants. Political and social standards are made ridiculous. The absurdity of the scenes questions social behavioral rules and questions their validity. The second series, titled "Brothers and Sisters" was ordered by a monastery. Monks and nuns are shown in grotesque settings, which play with religious symbols of different origin. They quote on the one hand from a fundus of a specifically Austrian tradition of restrictive Catholicism. With the parallel use of Jewish symbols on the other hand the artist shows a culture-exchanging approach to Religion. Symbols such as bread, apple, the cross and soil, which possess distinct allusions on Sacrament, the Fall of Man, Sacrifice and Ordination in the Christian tradition, as well as the Jewish symbolic way of praying head against the wall, are presented in new arrangements. The settings always have an absurd character at first glance. Superficially they are humorous, the institution of the church however is questioned in a subtle way. The absurdity of clerical conventions and rules is revealed and taboo topics such as sexuality, emptied ritual and schematized contemplation are targeted.

Both series are irritating and questioning conventional behavioral standards. Erwin Wurm aims at the pointlessness and the contradictions of conventional symbolic systems by contrasting absurd scenes to the seriousness of the used signs. As seen in his earlier work, people’s actions and their interactions with things in spaces pose sculpture-like acts. Erwin Wurm documents this human ability to humorous self-staging in his pictures. The series are irritating and amusing – be it within the system of art, by combining media and form, or be it within the system of society, by testing standards and rules for their validity.


Sabine Rusterholz, April 2003


May 16 - July 12, 2003