© Hans Witschi


Hans Witschi
"Still Live"

Die Ausstellung "Still live" von Hans Witschi zeigt einige grossformatige ältere und eine Serie neuer Werke, letztere seit dem letzten Sommer entstanden. "Sunflowers" zeigt einen Strauss Sonnenblumen in verschiedenen Zuständen der Verwelkung. In diesen sparsamen Öl auf Leinwand Arbeiten erscheinen und verschwinden immer wieder flüchtig Figuren und Gesichter.

Witschis Malerei bringt die innere Erfahrung zu einer visuellen Gestalt. Seine gestische Bildsprache entspringt unmittelbar einer körperlichen und seelischen Sinnlichkeit und Vitalität. Seine Bilder zeigen zumeist eine psychische und eine physische Bewegtheit. Sie entsprechen der Wahrnehmung des Jetzt, das zur Dauer einer lebendigen Erfahrung kristallisiert.

Dieses Zusammenfallen von Moment und Dauer, von Ewigkeit und Augenblick gehört zu Witschis Grundauffassung der Malerei. Hier liegt die Faszination dieser Bilder, die für den ersten Blick eine Tendenz von der Figur und ihrer Auflösung in die Abstraktion haben. Die Auflösung ist aber eine eigentlich am Anfang stehende Verdichtung. Vor zwei Jahren zeigte die Galerie Schedler in Zürich die Ausstellung "Portrait". Sie stellte zwei Serien einander gegenüber, auf der Vorderwand der Galerie eine ordentlich in Reihen gehängte Variation des Brustbildes eines zeichnenden Knaben, auf den anderen drei Wänden unregelmässig, aber rythmisch verteilt, die "Knäuelbilder", tachistische Wirnisse von Pinselstrichen mit oranger Farbe, "Malteufel", die sich kleksend selbst kreierten.

"Still live" hat etwas von einer Symbiose dieser Opposition; das innere und das äussere Figurenbild des Portraits das Malers verschmilzt im Stillleben, das im Französischen "Nature morte", im Englischen "Still live" heisst. Beide Bezeichnungen sind doppeldeutig: la nature morte ist still alive - die tote Natur ist stets noch lebendig...! Nichts eignete sich besser dafür, als die Sonnenblume, die in ihren Zuständen das poetische Empfinden der Künstler schon immer affizierte. und in der Geschichte der Malerei u.a. das Sinnbild des alltäglichen Lebens war, seiner kleinen Freuden und stillen Leiden. Das alltägliche Leben aber ist das wirkliche Leben, das weiter geht, wenn sich der Staub der grossen Ereignisse gelegt hat.

Witschi durchläuft die klassischen Themen der Malerei wie Fugen in der Musik. Die grossen, intensiv gemalten Bilder der frühen 90er Jahre klingen weiter wie die grossen Konzerte. Die jüngeren Arbeiten greifen sich einen einzelnen Ton und spielen diesen fort und fort, wie das Solo einer Flöte über dem Meer des grossen Orchesters. Auch die Malerei ist noch am Leben, immer noch, auch nach dem grossen Getöse ihrer nie gelingenden Überwindungsversuche.


Ausstellungsdauer: 22.8. - 21.9.2002
Oeffnungszeiten: Di-Fr 12 - 18 Uhr, Sa 11 - 16 Uhr

Galerie Lehmann Leskiw + Schedler
Josefstrasse 53
8005 Zürich
Telefon: 01 440 61 20
Fax: 01 440 61 21
E-Mail: mail@schedler.ch

www.schedler.ch