© Herbert Weber


Herbert Weber
Einmal mehr im selben Versteck entdeckt



Der Künstler Herbert Weber (*1975) aus dem Toggenburg zeigt als Jahresauftakt im "Raum für zeitgenössische Fotografie" neue Arbeiten die er während den letzten Herbst- und Wintermonaten speziell für die Ausstellung entwickelt hat. Noch bis im Februar 2007 ist Weber in einer Gruppenausstellung der Sammlung Essl in Wien zu sehen, in der die junge aufstrebende Schweizer Kunstszene vorgestellt wird. Ähnlich repräsentierte er in der ersten Jahreshälfte in 2006 eine junge Generation Helvetischer Fotografen in der Ausstellung "Reale Fantasien" im Fotomuseum Winterthur.


Auf einer seiner Fotografien hängt Weber kopfüber an einen Ast gebunden über dem Wasser (Das Leben findet auf einer Scheibe statt, 2006); eine andere Fotografie zeigt ihn, einen Toten oder Verletzten mimend, rücklings auf einer Wiese liegend; im linken Hintergrund ist ein Baum erkennbar, rechts im Bild steht der Fotoblitz der die Szenerie erleuchtet (Tod auf der Bühne, 2006). Solche Aufnahmen macht der Fotograf per Fernauslöser, was er im Bild auch erkennen lässt. Er ist somit als Subjekt und Autor der Bilder identifizierbar.


Die Titel zu seinen meist schwarz-weissen oder aber farblich stark reduzierten Fotografien auf Büttenpapier, mögen die Bildinhalte eher mit einem Fragezeichen versehen als eine erklärende Funktion haben: "Blick in die Zukunft bei Wind SSW", "Konstruierte Erinnerung", "Kultur der Vernetzung", "angepasste Hängung", "Trockenrückenforschung" oder "Erleuchten durch Belichtung". Die Naturwissenschaften scheinen in seinen Beobachtungen von grundlegendem Interesse zu sein. Jedoch stellt Weber viel eher Fragen, als dass er Erklärungsmodelle irgendeiner Art liefert. Der Lauf der Natur droht hier oder dort fast aus dem Lot zu geraten... Weber bannt die uns vertraute Natur mit einer spielerisch humorvollen und gleichzeitig eigenwillig und subtil irritierenden Art des Sehens ins Bild.


Der Künstler selber sieht den Akt des Fotografierens nicht als Inszenierung oder Performance, wenn man auch stark daran erinnert sein mag. Mit dieser Haltung kommt Weber der konzeptuelle Arbeitstechnik eines Bas Jan Aders nahe: so waren auch für den Niederländer das inszenatorische Moment, wie auch die Handlung vor der Kamera zweitrangig. Vielmehr stellt die Fotografie ein zur Verfügung stehendes Medium dar, welches schlussendlich rein praktisch für eine Bilderschaffung genutzt wird. Was am Schluss zählt ist das Bild. Im Falle von Herbert Weber kann durchaus von einem expliziteren Interesse für die Fotografie und ihre Beziehung zur Realität, dem Alltäglichen gesprochen werden: "das Ausloten von Wiedergabe und Konstruktion, das Arbeiten vor und hinter der Kamera ist für mich das adäquate Mittel, mich kreisend um Frage und Antwort zu bewegen" (Weber, August 2006). Das Papier gibt Weber eine bewusst wahrgenommene Fläche für seine Experimente.


Kuratorin: Alexandra Blättler


Ausstellungsdauer 17.1. - 5.4.2007

Oeffnungszeiten Mo-Fr 8 - 20 Uhr, Sa 8 - 18 Uhr


COALmine Fotogalerie
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