© Stephen Prina
Stephen Prina: Filmstill aus "Vinyl 2", 2000 (Detail)
Courtesy Galerie Gisela Capitain
Foto: Bernhard Schaub, Köln


in capital letters

Yto Barrada, Claude Gaçon und Markus Buser, Eric Hattan, Andrei Monastirsky, Stephen Prina, Monika Snosnovska, Silke Wagner


Sich selbst aus kritischer Distanz zum Thema machen, Grosses klein zu schreiben: in capital letters wirft einen facettenreichen Blick auf die wechselvolle Geschichte einer der ältesten Kunstvereine. Die Ausstellung vereint Künstlerinnen und Künstler, die in ihren Werken die Kunsthalle Basel als Institution, als Ort, mit ihrer Tätigkeit und ihrer Ausstrahlung reflektieren. Mit der Präsentation von Sammlungsbeständen reflektiert auch die Institution selbst ihr Handeln. Die im kommenden Jahr bevorstehende Sanierung des Hauses sowie der Wechsel in der Direktion bieten hierzu Anlass.

Der Fokus der Auseinandersetzung mit der Kunsthalle wird von Raum zu Raum anders sein, womit verschiedene Aspekte des Ortes zum Tragen kommen. Silke Wagner hat sich insbesondere mit der Amtszeit von Peter F. Althaus befasst. Seine Infragestellung der bürgerlichen Institution "Kunsthalle" anfangs der 70er Jahre interessiert die junge Künstlerin heute auch im Rahmen ihres eigenen Werkbegriffs. Es ist die spezifische Öffentlichkeit des Kunstbetriebs, der sie sich wiederholt annimmt: Kunst will nicht so sehr Materialisierung als vielmehr Anstiftung, Plattform, Reflexion sein. Ausgehend von dieser Haltung inszeniert Silke Wagner ein Archiv und schafft die Möglichkeit einer von den Besuchern individuell zu nutzenden Recherche.

Die Werke von Andrei Monastirsky sind die einzigen, die nicht spezifisch für die Ausstellung entstanden sind. Monastirski, einer der wichtigsten Protagonisten der russischen Konzept-Kunst, hat seit den 70er Jahren mit Performances und Textarbeiten system- und institutionskritisch gewirkt.

Monika Sosnovska macht den architektonischen Raum zum Gegenstand ihrer Untersuchung. Ummantelungen, Verschiebungen, temporäre Räume im Raum machen das Potenzial wie die Grenzen der historischen baulichen Rahmung sichtbar.

Claude Gaçon und Markus Buser lassen sich auf das Hier und Heute ein: ihr Untersuchungsgegenstand ist das Publikum, das sich in der Ausstellung bewegen wird. Das kontinuierlich projizierte Bild von Besuchern und Besucherinnen fordert, in geringfügiger zeitlicher Verschiebung und akustisch untermalt, zum Nachdenken über das eigene Tun heraus.

Die aus Paris/Marokko stammende Yto Barrada hat Spuren entdeckt, welche die Geschichte ihres eigenen Schaffens und ihrer eigenen Herkunft mit jener der Kunsthalle Basel verbindet. Ihr Einblick in die Sammlung des Basler Kunstvereins liess sie aufmerksam werden auf Bilder von Karl Moor (1904-1991) und Jacques Düblin (1901-1978), deren zurückhaltende Menschen- bzw. Landschaftsdarstellungen sie ansatzweise im heutigen Marokko gespiegelt sieht.

Dem Blick von aussen schliesst sich mit Eric Hattan eine lokale und persönliche Perspektive an: Mit ihm ist ein Künstler an der Ausstellung beteiligt, der mit der hiesigen Kunstszene vertraut ist und als langjähriger Beobachter und Mitgestalter am Geschehen vor Ort teilgenommen hat. Sein Eingriff betrifft die Grenze zwischen Ausstellungsraum und Büro des Direktors, das ehemals Ausstellungsraum war. Hier platziert er auch jene Geschichten, deren Quelle einmal auf der einen, ein andermal auf der anderen Seite der Mauer gelegen haben.

Stephen Prina's künstlerische Arbeit untersucht immer wieder die Voraussetzungen kultureller Produktion. Sein Vorschlag für die aktuelle Ausstellung arbeitet zum einen mit dem Modell des "white cube", einem möglichst neutralisierten Ausstellungsraum, andererseits mit Bildern, denen diese Präsentationsform ursprünglich fremd war. Die Verschränkung von hier vorgefundenen Bildern und eigenen Arbeiten befragt den Ort heutiger Auseinandersetzung mit Kunst.

Neben den verschiedenen Blickwinkeln der KünstlerInnen wird auch die Institution selbst ein Streiflicht auf ihren Ort und ihre Tätigkeit werfen. Mit der Präsentation von Werken aus der eigenen Sammlung legt Christina Végh Spuren in die Geschichte der Institution mittels Werken aus der eigenen Sammlung. Hier, im letzten Raum, stellen sich Fragen nach einem künftigen Umgang mit dem Sammlungsbestand.


Ausstellungsdauer: 28.9. - 17.11.2002
Oeffnungszeiten: Di-So 11 - 17 Uhr, Mi 11 - 20.30 Uhr
Mo geschlossen


Kunsthalle Basel
Steinenberg 7
4051 Basel
E-Mail info@kunsthallebasel.ch

www.kunsthallebasel.ch