© Wassily Kandinsky

Wassily Kandinsky: Schwarze Fleck, 1921


Ins Schwarze getroffen - von Kandinsky bis Fontana

Wassily Kandinsky, Henri Matisse, Joan Miró, Jean Dubuffet, Piet Mondrian, Arnulf Rainer, Pierre Soulages, Lucio Fontana


Das Kunsthaus Zürich zeigt in einer Kabinettausstellung Malerei und Grafik zum Thema "Schwarz". Im Mittelpunkt steht Wassily Kandinskys Werk von 1921 "Schwarze Fleck", das von den Mitgliedern der Zürcher Kunstgesellschaft als Wunschbild für die Bilderwahl 2004 favorisiert wurde. Gastkuratorin Birgit Gudat zieht eine spielerische Linie von der klassischen Moderne bis in die Gegenwart und schliesst mit einem realen Blick in die Unendlichkeit vom Hubble Telescope aus in die Sombrero Galaxy, in deren Mitte ein schwarzes Loch vermutet wird.


Wassily Kandinskys Werk aus dem Jahre 1921 eröffnet einen Kosmos aus Farben und Formen. Mit ihm begeben sich die Besucherinnen und Besucher auf die Spuren der singulären Farbe Schwarz in der Malerei.


Schwarz wird Farbe
Viele Jahrhunderte europäischer Malerei hindurch war Schwarz der Dunkelheit und damit dem Prinzip des illusionistischen Raumes verpflichtet. Henri Matisse, mit dem die Kabinettausstellung eröffnet wird, verhalf der Farbe Schwarz zur Emanzipation, indem er ein neues Bewusstsein für alle Farben schuf und sie von ihrer Gegenstandsbezeichnung befreite. Die Reduktion der Farbigkeit auf Schwarz, Weiss und Grau in der Malerei des beginnenden 20. Jahrhunderts kennzeichnet zudem exemplarische Werke aus Expressionismus, Kubismus und Futurismus.


Schwarz als Symbol
In der abendländischen Geschichte der Farbensymbolik, die die Farben mit ethisch-moralischen Werten belegte, bildet Schwarz traditionellerweise den Gegensatz zum Licht und damit zum Guten. Es verkörpert sämtliche Spielarten negativer Kräfte, des Finsteren und Bösen, des Terrors und des Todes. Auch Kandinsky, der in der Tradition steht, Schwarz als eine "Nichtfarbe" zu bezeichnen, verbindet mit ihr ein weites Bedeutungsspektrum. Ergänzt wird dieser Themenkreis mit Beispielen weiterer Heroen der Klassischen Moderne, wie Joan Miró und Jean Dubuffet.

Schwarz und Abstraktion
Im Vergleich zu Kandinskys fast musikalischer Abstraktion nimmt sich Piet Mondrians "Neoplastizismus" wie ein starres, rigides System aus. In seiner ästhetischen Zielsetzung einer Ordnung von ausbalancierten Gegensätzen, Nichtfarben-Primärfarben und Horizontale-Vertikale, kommt dem schwarzen Liniengitter eine zentrale Rolle zu. Während Mondrian den waagrechten Linien das weibliche, den senkrechten das männliche Prinzip zuordnet, befreien Vertreter der konstruktiven und konkreten Kunst Schwarz von ihrer symbolischen Bedeutung.


Schwarz in der europäischen und amerikanischen Kunst der Nachkriegszeit
Sowohl in Europa als auch in Amerika war die Hinwendung zum Schwarz nach dem zweiten Weltkrieg ein Thema. Die europäischen Maler untersuchten Schwarz besonders im Kontext von Ausdruckswerten, Bildoberfläche und Zeichen. Stellvertretend für die europäische Schwarzmalerei werden zwei gegensätzliche Positionen vorgestellt: Arnulf Rainer ertränkt seine Bilder durch Zustriche, Übermalung und Formzerstörung im Dunkel, während Pierre Soulages die Farbe Schwarz durch ihre gestaltete Oberflächenqualität als eigenes, raumgreifendes Licht auferstehen lässt.


Die "Amerikanischen Expressionisten" benutzten Schwarz zunächst als Abgrenzungsstrategie, besonders gegenüber der französischen Malerei und ihrer narrativen Farbgestaltung. Die gestischen und von radikaler Reduktion bestimmten Bildentwürfe der New Yorker Künstler stehen beispielhaft für das kollektive Interesse an der Farbe Schwarz.


Schwarze Löcher
Mit Lucio Fontanas "Concetto spaziale" von 1949/50 wird am Ende die Integrität der aufgespannten Leinwand verlassen. Ihre Perforierung ist Ausdruck einer Geste, die den dunklen Raum hinter der Leinwand erschliesst und diese gleichsam an den aufgeworfenen Rändern des Trägermediums materialisiert. Fontana zielt auf die aktive Einbeziehung der dritten und vierten Dimension, wenn er sagt: "... ich mache ein Loch, da kommt die Unendlichkeit durch, da kommt Licht durch, man muss gar nicht mehr malen".


Die Ausstellung schliesst mit einem realen Blick in die Unendlichkeit vom Hubble Telescope aus: Das Bild zeigt die 28 Millionen Lichtjahre entfernte "Sombrero Galaxy", in deren Mitte ein "schwarzes Loch" vermutet wird.


Ein Kulturengagement von Julius Bär.


Ausstellungsdauer: 10.12.2004 - 6.2.2005
Öffnungszeiten: Di-Do 10 - 21 Uhr, Fr-So 10 - 17 Uhr


Kunsthaus Zürich
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