© James Nachtwey


James Nachtwey
War Photographer



Die Kulturinstitution C/O Berlin zeigt erstmals in Berlin eine umfassende Werkschau von Nachtwey und knüpft an die grossen Ausstellungen an, die das kulturelle Forum für Fotografie kontinuierlich seit zwei Jahren in Berlin präsentiert und sich so aktiv für die Fotografie in Deutschland einsetzt. Dieses langjährige und umfassende Engagement wird durch die Vergrösserung der Flächen auf 1500 qm, durch ein Bildungsprogramm, vielfältige Veranstaltungen zu den Ausstellungen sowie die Gründung eines Fördervereins noch erweitert.


"War Photographer". Der Kopf eines jungen Hutu im Profil. Tiefe Narben durchziehen das Gesicht und den Schädel. Gezeichnet von Macheten. Sein Mund ist wie zu einem stummen Schrei halb geöffnet. Der junge Mann hatte sich geweigert, an den Tutsi-Massakern in Ruanda teilzunehmen. Durch Machetenhiebe wurde er von den eigenen Stammesgenossen verstümmelt. Diese Fotografie von James Nachtwey ist eines der bekanntesten Kriegsbilder und wurde 1994 als World Press Photo ausgezeichnet.


Ruanda, Afghanistan, Bosnien, Nordirland, Rumänien, Somalia, Tschetschenien - seit über 20 Jahren fotografiert James Nachtwey in den Krisengebieten der Welt und zählt zur Zeit zu den einflussreichsten und meistpublizierten Fotografen, die Kriege, Notstände und ihre Folgen dokumentieren. Seine Bilder visualisieren die Hinterhöfe der Macht. Sie berichten von Blutrausch, Leid, Terror, Angst, Mord und Tod und zeigen Menschen - zumeist die Zivilbevölkerung - als Opfer inmitten der diffusen Konflikte, die heute an die Stelle nationaler Kriege getreten sind und oft über die Bevölkerung hereinbrechen wie Naturkatastrophen.


Hinschauen, wenn keiner mehr hinschauen will oder kann, den Blick nicht abwenden - Nachtweys Bilder reduzieren das anonyme Grauen zu Einzelschicksalen. Sie geben den abstrakten Krisen einprägende Gesichter, die plakativ humanitäre Hilfeleistungen einfordern. Nachtwey bezeichnet sich selbst als Anti-Kriegsfotograf und seine Fotografie als Instrument, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und ein soziales Bewusstsein zu schaffen: "Was ich festhalte wird Teil des ewigen Archivs unseres kollektiven Gedächnisses sein. Ich weiss, dass Fotos Verantwortliche zum Handeln zwingen können. Ohne die Bilder von Bürgerkrieg und Hunger in Somalia wäre niemand dort eingeschritten. Ohne die Fotos aus Bosnien wäre der Krieg vielleicht noch immer nicht beendet".


Trotz des dokumentarischen Anspruchs sind Nachtweys Fotos keine Schnappschüsse, sondern tragen die Spuren einer künstlerischen Bearbeitung. Das Gezeigte ist klar herausgearbeitet, technisch wie kompositorisch perfekt. Es sind ästhetisch schöne Bilder - Kunstwerke, deren Inhalte jedoch erschreckend und abstossend sind und an denen das generelle Problem der Kriegsfotografie ersichtlich wird: Der Fotograf bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen Dokumentation und Ästhetisierung und profitiert vom Schrecken, den er so makelos zeigt.


James Nachtwey, geboren 1948 in Syracuse, im Staat NY, USA, studierte am renommierten Darthmouth College Kunstgeschichte und Politikwissenschaften und beschloss nach Ende seines Studiums, Fotograf zu werden - beeindruckt von den Arbeiten der Fotojournalisten Tim Page und Larry Burrows während des Vietnam Krieges und von der Civil Right Bewegung. Seit 1972 arbeitete Nachtwey auf Handelsschiffen und als Lastkraftwagenfahrer, nahm 1976 eine Assistenz beim Fernsehensender NBC in New York an und ist seit 1980 freier Fotograf. Seine Dokumentation der Unruhen in Belfast 1981 sind der Beginn seiner internationalen Karriere als Fotograf sozialer und kriegerischer Konflikte.


Seit 1986 war Nachtwey Mitglied der Fotoagentur Magnum, bis er 2001 die Agentur VII mitbegründete. Sein Werk wurde mehrfach ausgestellt und ausgezeichnet - zweimal erhielt er den World Press Award, als bisher einziger Fotograf fünfmal den Robert-Capa-Preis, dreimal den Infinity Award des International Center of Photography in New York. Nachtwey war sechsmal Magazin-Fotograf des Jahres in den USA. 2001 drehte der Schweizer Regisseur Christian Frei den Oscar-nomminierten Film "War Photographer" über die Arbeit des Fotografen. Nachtweys Buch "Inferno", 1999 erschienen, gilt als Klassiker der Fotografie. Seine Fotografien hat Nachtwey u.a. in Time, Life, The New York Magazine, Newsweek, National Geographic und Stern veröffentlicht.


In Kooperation mit unicef. Mit Unterstützung der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika, Hotel Bogota, Dinamix, BTL.


Ausstellungsdauer: 22.11.2003 - 28.3.2004 (verlängert)
Oeffnungszeiten: täglich 11 - 19 Uhr


C/O Berlin
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