© 2003 Jeff Wall Studio

Jeff Wall
Foto: © 2003 Jeff Wall Studio


Der kanadische Fotokünstler Jeff Wall erhält den höchstdotierten europäischen Kunstpreis der Roswitha Haftmann-Stiftung.


Am 6. November 2003 um 18.30 Uhr zeichnet die Roswitha Haftmann-Stiftung den kanadischen Fotokünstler Jeff Wall im Kunsthaus Zürich mit dem Roswitha Haftmann-Preis aus. Die mit 120'000 Franken dotierte Auszeichnung gehört zu den grosszügigsten Kunstpreisen weltweit und wird an lebende Künstler vergeben, deren Gesamtwerk von herausragender Bedeutung ist.


Jeff Wall, 1946 in Vancouver geboren, hat mit seinem Werk seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts die Fotografie um grosse Formate und leuchtende Grossdias bereichert und schafft bis heute mit unverminderter Intensität Bilder, die zur grossen und bleibenden Kunst zählen. Die mit grossem technischen Aufwand hergestellten Dias werden in Aluminiumkästen gerahmt und hinterleuchtet. So entstehen Bilder von suggestiver Kraft, die Wirklichkeit bis ins letzte Detail wiedergebend. Das Spektrum der Themen ist durchaus begrenzt: Szenen des Alltags, von Menschen und Räumen, die anonym bleiben, und einer Natur, die auf den ersten Blick aller konventionellen Schönheit entbehrt. Walls Aufnahmen sind alles andere als vergrösserte Schnappschüsse. Es sind sorgfältige Inszenierungen mit Schauspielern und Requisiten, die auf klassische Kompositionsmuster der Kunstgeschichte Bezug nehmen. Diese Bildkompositionen im monumentalen Format rücken die Fotografie näher an die Malerei. So entsteht, mit den Mitteln der Fotografie und auf höchstem ästhetischen Niveau, eine Kunstform zwischen Realismus und Inszenierung.


Die Roswitha Haftmann-Stiftung vergibt den Preis alle ein bis drei Jahre an lebende Künstler, deren Werk von überragender Bedeutung ist. Der Stiftungsrat, welcher die Preisträger bestimmt, besteht aus den Direktoren (oder einem Vertreter) des Kunstmuseums Bern, des Kunstmuseums Basel, dem Museum Ludwig in Köln und dem Kunsthaus Zürich sowie Mitgliedern, die im Stiftungsbrief persönlich benannt sind oder vom Stiftungsrat berufen werden.


Die ersten Preisträger waren der amerikanische Land Art- und Konzeptkünstler Walter de Maria (2001) und die österreichische Malerin Maria Lassnig (2002), der das Kunsthaus ab dem 28. November eine Ausstellung widmet.


Roswitha Haftmann (*1927) war Sprachlehrerin, arbeitete als Fotomodell für amerikanische Agenturen und war mit dem Kunsthistoriker Werner Haftmann verheiratet. In Zürich führte sie bis zu ihrem Tod 1998 eine Galerie. Die gebürtige St. Gallerin liebte gesellschaftliche Anlässe und hat 1998 ihr nicht unbeträchtliches Vermögen in einen Fond umgewandelt, aus dem sich die gut dotierte Auszeichnung - der Roswitha Haftmann-Preis - speist.


Zur Würdigung der ebenso schönen wie kunstsinnigen Stifterin erschien im Verlag Scheidegger und Spiess das Buch "Roswitha Haftmann", geschrieben von Ludmila Vachtova. Es ist am Museumsshop des Kunsthauses erhältlich.


Die öffentliche Preisverleihung an Jeff Wall findet in Anwesenheit des Künstlers im Vortragssaal des Kunsthauses Zürich statt. Die Laudatio hält Dr. Katharina Schmidt, Vize-Präsidentin des Stiftungsrates der Roswitha Haftmann-Stiftung.


Donnerstag, 6. November 2003 um 18.30 Uhr


Kunsthaus Zürich
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8001 Zürich
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