© Helmhaus Zürich

Andrea Thal: Girls Have Rhythm, 2006
Installationsansicht
Foto: Lorenzo Pusterla, Zürich
© Helmhaus Zürich


Was macht die Kunst
Ankäufe der Stadt Zürich 2001-2006



Regelmässig veranstaltet das Präsidialdepartement der Stadt Zürich Ausstellungen mit Neuerwerbungen der Ankaufskommission, die Teil der städtischen Kunstkommission ist. Die diesjährige, dritte Ausgabe der Ausstellung im Helmhaus Zürich präsentiert mit über 40 Künstlerinnen und Künstlern einen vielfältigen Querschnitt durchs Zürcher Kunstschaffen. Zudem erscheint eine Publikation mit Essays und Materialien zur städtischen Kunstsammlung.


"Die Ankaufskommission, bestehend aus fünf Mitgliedern der Kommission für Bildende Kunst der Stadt Zürich, schlägt dem Präsidialdepartement Werkankäufe für die städtische Kunstsammlung vor." So lautet in Kürze die Aufgabe, welche die Ankaufskommission erfüllt. Der Werk-Ankauf von Zürcher Künstlerinnen und Künstler steht nicht isoliert da, sondern gehört in den grösseren Zusammenhang der städtischen Kunstförderung. Die Kunstförderung selbst ist wiederum Teil der gesamtstädtischen Kulturförderung. Diesem Zusammenhang widmet die diesjährige Ausgabe der Ausstellung der Neuankäufe eine Publikation: Sie beleuchtet historische, theoretische und praktische Aspekte der städtischen Kunstsammlung. Die Ausstellung und die Publikation sind in Zusammenarbeit mit der Fachstelle Kunstsammlung des Hochbaudepartements der Stadt Zürich entstanden.


In der Periode 2001-2006 widmete sich die Ankaufskommission in besonderem Mass der in den letzten Jahren stark gewachsenen Zürcher Kunstszene in ihren unterschiedlichen Ausprägungen. Der im Helmhaus Zürich präsentierte Querschnitt ist zwar nicht erschöpfend, doch hat er einen annähernd repräsentativen Anspruch. So tätigte die Ankaufskommission Ankäufe, die der Verschiedenheit und dem daraus resultierenden geschichtlichen, ideologischen und ästhetischen Spektrum der Zürcher Kunstszene Rechnung tragen. Die Sammlung wurde zwischen 2001 und 2006 um Werke ergänzt, die neben den traditionellen Medien sehr unterschiedliche Ausrichtungen aufweisen: institutionskritische, sozio- und transkulturelle, migrations- und geschlechterpolitische, unterhaltungsindustrielle und naturwissenschaftliche sowie filmische, performative, soundorientierte und neokonzeptuelle Ausrichtungen. Dies trägt einer Entwicklung des Kunstbegriffs Rechnung, der sich längst von den klassischen Medien abgelöst hat. Die Ausstellung ist kein Best-of, sondern stellt das breite künstlerische Spektrum dar. Sie widmet besonders den Videoarbeiten einen eigenen Sektor und setzt Akzente mit raumgreifenden Arbeiten und ganzen Werkgruppen einzelner Künstlerinnen und Künstler.


Die Ankaufstätigkeit ist Teil der kulturellen Förderung. Diese Förderung soll im Prinzip möglichst unabhängig von merkantilen und symbolischen Wertzuschreibungen bleiben. Im Vordergrund steht entsprechend der Kunstbegriff, der professionelle Kunstdiskurs und das allgemeine "Gespräch über Kunst" in Zürich, an dem sich die Ankaufstätigkeit orientiert und dessen aktive Mitgestaltung die Ankaufskommission betreibt. Die Förderung erstreckt sich im Prinzip altersunabhängig auf jegliche künstlerische Position. So sind nicht nur Arbeiten junger, "neuer" Künstlerinnen und Künstler Thema. Immer wieder finden Werke weniger bekannter, unzeitgemässer oder zeitweise etwas vergessener Künstlerinnen und Künstlern in die Sammlung Eingang.


Die Ankaufskommission operiert in einem klar umrissenen finanziellen Rahmen. Pro Jahr können bei einem Budget von Fr. 150'000.- durchschnittlich zwölf bis fünfzehn Künstlerinnen und Künstler "berücksichtigt" werden, was wiederum in der Gesamtzahl von rund 200 Werken für die Ankaufsperiode 2001-2006 resultiert.


Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit Beiträgen der Autoren und Autorinnen Jean-Pierre Hoby, Caroline Kesser, Irene Müller, Charlotte Tschumi und Nadja Baldini, sowie der Künstler Berni Doessegger, Christian Ratti und Andrea Hadem; als Herausgeber zeichnen Daniel Kurjakovic und Eva Wagner. Die Publikation widmet sich dem Umfeld der städtischen Kunstsammlung. Jean-Pierre Hoby erläutert das "integrale Konzept" der Kulturförderung der Stadt Zürich. Caroline Kesser berichtet in einem historischen Aufriss über die alles andere als homogene Entstehungsgeschichte der städtischen Kunstsammlung. Irene Müller geht dem aktuellen Sammlungsbegriff nach, der unweigerlich die Arbeit der Ankaufskommission prägt und etwaige zukünftige Horizonte der städtischen Kunstsammlung erkennen lässt. Charlotte Tschumi und Nadja Baldini thematisieren einstweilen die relative Anonymität der Ankaufskommission, über die sogar die interessierte Öffentlichkeit oft wenig weiss.


Zudem finden auch drei künstlerische Auftragsarbeiten Eingang in die Publikation. Ausgangspunkt von Berni Doesseggers Text ist die radikalkonstruktivistische Annahme, dass das Vorliegende - also auch eine Sammlung - nicht einfach "gegeben" ist, sondern unwahrscheinlich wie alles Wirkliche, nur dass es wahrscheinlich gemacht wird. Seine scheinbar ausufernde philosophische Erzählung geht über die pragmatisch-institutionelle Gegenwart der Kunstsammlung hinaus und entdeckt im Begriff des Archivs ein reiches, beinah organisches Treiben von übergeschichtlichen Vorstellungen, die den Horizont des Denkens bilden. Christian Ratti entlädt mit einer auf den ersten Blick bescheidenen Geste, die aus dem Vertauschen der Garderobenmarken des Helmhaus Zürich mit Marken von Museen und kulturellen Institutionen unterschiedlicher Orte im In- und Ausland besteht, ein Bündel von Gedanken, Entdeckungen und Zweifeln zum Thema Sammlung. Der fotografische Beitrag von Andrea Hadem thematisiert die Interferenzen zwischen den Kunstwerken und dem Betrachterraum.


Die Publikation ist als Arbeitsmappe angelegt. Neben den Texten und Künstlerbeiträgen beinhaltet sie einen Bildkatalog aller angekauften Werke der Periode 2001-2006 sowie Listen aller Ankäufe aller vertretenen Künstlerinnen und Künstler.


Kuratoren der Ausstellung: Daniel Kurjakovic, Mitglied der Ankaufskommission, und Eva Wagner, Sekretärin der Kunstkommission


Vorstellung der Publikation
Donnerstag, 21. Dezember 2006

Was macht die Kunst - Ankäufe der Stadt Zürich 2001-2006, mit Beiträgen der Autorinnen und Autoren Jean-Pierre Hoby, Caroline Kesser, Irene Müller, Charlotte Tschumi und Nadja Baldini und der Künstler Berni Doessegger, Christian Ratti und Andrea Hadem sowie der Herausgeber Daniel Kurjakovic und Eva Wagner. Die Publikation erscheint bei edition fink, Verlag für zeitgenössische Kunst, Zürich 2006.


Ausstellungsdauer 8.12.2006 - 14.1.2007

Öffnungszeiten Di-So 10 - 18 Uhr, Do 10 - 20 Uhr


Helmhaus
Limmatquai 31
8001 Zürich
Telefon +41 44 251 61 77
Fax +41 44 261 56 72

www.helmhaus.org


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