© Marco Poloni

Shadowing the invisible man..., 2001
mehrteilige Fotoarbeit (Ausschnitt)


Marco Poloni
Passengers



Auf der Galerie zeigt der in Chicago lebende Künstler Marco Poloni (*1963) zwei umfangreiche Fotoarbeiten. In diesen seriell angelegten Fotografien pendelt der Künstler zwischen Täuschung, Einbildung und Wirklichkeit. Polonis Arbeiten - Fotografien, Videofilme oder Klanginstallationen - basieren allesamt auf der Strategie eines Ermittlers, eines Detektivs oder Reporters.


Inspiriert wurde Poloni von Michelangelos Antonionis Film "The Passenger" (so der englische Originaltitel von "Beruf: Reporter"), wo der Reporter Locke gezwungen ist, seine Umgebung lediglich durch den Sucher seiner Kamera wahrzunehmen. Das Bild kann dabei ebenso referenziell wie autonom, ebenso instabil wie autoritär sein. Wer vermag schon zu sagen, ob es sich um eine Inszenierung handelt oder um eine wahrhafte Repräsentation der Wirklichkeit.


Marco Poloni spielt mit dem Vertrauen in die vermeintliche Fähigkeit des Bildes als Repräsentant der Wirklichkeit. Wenn der Künstler durch die Kamera blickt, verrückt er die Grenzen von Realität und Fiktion, Wirklichkeit und Inszenierung, indem er die Wegmarken, an denen sich unsere Wahrnehmung gemeinhin orientiert verwischt und überlagert. Es ist eine Verschiebung der Wirklichkeit in die Fiktion und umgekehrt, die Poloni unter anderem durch Bild- und Tonüberlagerungen oder Zeiteffekte erzielt. Die u.a. gezeigte Arbeit "a.k.a (also known as)" von 2002/2003 besteht aus 62 Einzelfotos eines Skripts zu einem Film, der nicht gedreht werden wird. Verfolgt wird darin eine multiple männliche Person auf ihren Wegen durch verschiedene öffentliche und private Räume zweier Grossstädte: Zunehmend verdächtigen wir sie der potenziellen terroristischen Absicht.


Als visuell arbeitender Künstler unterzieht Poloni den Blick zudem selbstverständlich einer Überprüfung, indem er ihn selbst ins Spiel bringt. So bezieht er in seine Arbeit als Künstler andere Berufsgruppen, die berufsmässig mit dem Blick zu tun haben, andere Beziehungen zum Bild mit ein. Er kombiniert ihre unterschiedlichen Darstellungsmittel: Wirklichkeit und Fiktion, Verschiebung und Unmittelbarkeit, Ton und Bild. Er inszeniert Bilder der unmittelbaren Wirklichkeit. Er baut ihnen eine Bühne, einen Rahmen, zwingt sie in einen stroboskopartigen Ablauf und überlagert sie mit vorgefertigten Dialogen. Am Ende weiss man nicht mehr sicher, ob man es mit einer Fiktionalisierung der Wirklichkeit oder mit einer Objektivierung ihres Spektakels zu tun hat.


Auszüge aus: Pierre-André Lienhard "Spiegel der Wahrnehmung. Marco Poloni und die Rolle des Blicks", in: "Never mind the Gap", 2004, Verlag für moderne Kunst Nürnberg.


Kurator: Pierre-André Lienhard


Ausstellungsdauer: 5.2. - 27.3.2005
Oeffnungszeiten: Di-So 11 - 17 Uhr, Mi 11 - 21 Uhr


Kunstverein
Dreisamstrasse 21
D-79098 Freiburg
Telefon +49 761 349 44
Fax +49 761 349 14
Email info@kunstvereinfreiburg.de

www.kunstvereinfreiburg.de