© Marianne Engel
Marianne Engel: Glühwürmchen, 2006


Marianne Engel
Langer Tage leuchtend Sommerkraut

Eva Früh



Langer Tage leuchtend Sommerkraut, Sommer wie wir alle ihn kennen und lieben. Die Hitze, das Flimmern in der Luft, Barfuss gehen und plötzlich in kleinen Augenblicken den Moment wieder leben, wie als Kind, als nicht Vergangenheit und Zukunft unser Denken beschäftigten, nein vielmehr die gegenwärtigen Empfindungen uns einhüllten in warmes, geborgenes Wohlgefühl, wie es eben nur warme Sommertage auszulösen vermochten.


Marianne Engels Fotografien entstehen in der Ausdehnung dieses Moments. Vorwiegend in der Nacht, auf Streifzügen durch die Natur entstehen durch lange Belichtungszeiten Fotografien der Welt, die sie uns traumähnlich, mysteriös und märchenhaft zeigen. Als Lichtquellen nutzt sie Strassenlampen, einen Handblitz, das Restlicht des Tages und manchmal auch die Sterne. Was im nüchternen Tageslicht unser aller tägliches Funktionieren ermöglicht, weicht in Marianne Engels Fotografien der Betrachtung von möglichen, verborgenen Zwischenwelten. Das Erhabene im Alltäglichen scheint auf, ebenso wie in der kindlichen Wahrnehmung, wo des Wasserfalls Wasser im Wald zum Zaubertrank sich wandeln kann. Wo das Haus des Nachbarn zum verwunschenen Ort mutiert. Wo plötzlich klar wird, das alles was ist, eben auch ganz anders sein könnte.


In die Ausstellung im Forum Vebikus integriert Marianne Engel auch reale objects trouvé. Möbel aus Brockenhäusern, die in Anordnung und Kombination mit den Fotografien unsere Assoziationen anspornen, Geschichten und vielleicht auch Erinnerungen wach werden lassen.


Marianne Engel ist diplomierte Biochemikerin, sie arbeitet seit 2001 fotografisch. Diese naturwissenschaftliche Vergangenheit zeigt sich in den von ihr gezüchteten Organismen wie Hallimasch oder dem Bakterium Vibro fischeri. Mit der Kamera wirft sie einen zwar unwissenschaftlichen aber bestimmt forschenden Blick darauf und zeigt Pflanzen und Organismen in verträumter Intimität, als Lebewesen die einen eigenen, uns verborgenen Rhythmus leben und die ihre Schönheit um ihrer selbst willen entfalten. Marianne Engel spürt sie auf, lässt uns an deren Zauber teilhaben und verlängert so deren vergängliche Schönheit.


Marianne Engel (*1972) ist Künstlerin der Galerie staubkohler, Zürich, und war 2006 u.a. in der Ausstellung "Reale Fantasien" im Fotomuseum Winterthur vertreten.


Text: Jennifer Bennett


© Eva Früh

Eva Früh: Gesundheitsamt
Tuschzeichnungen, A4


Ich lasse mich auf mir zuvor meist noch unbekannte Räume ein und erschliesse sie mir spontan vor Ort mit dem Tuschestift auf Papier. Durch Zusammenfügen der einzelnen Zeichnungen in Blockformat und in Serie stellen sich die Segmente dem Betrachter in immer wieder neu entstehenden Zusammenhängen und Lesbarkeiten dar.


Eva Früh, geboren 1969 in Freiburg, lebt in Waldshut. Nach dem Studium an der freien Kunstakademie in Basel erfolgten Einzel- und Gruppenausstellungen in der Schweiz, in Deutschland und Frankreich. Seit 2003 Ateliertätigkeit in Basel.


Ausstellungsdauer 26.5. - 1.7.2007

Oeffnungszeiten Do 18 - 20 Uhr, Fr/Sa 16 - 18 Uhr,
So 12 - 16 Uhr


Forum Vebikus
Kulturzentrum Kammgarn

Baumgartenstrasse 19
8200 Schaffhausen
Telefon +41 (0) 52 625 24 18
Email kultur@kammgarn.ch

www.kammgarn.ch
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