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52. Aenneken Skywalker Preis Tour, Part 3



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Traditionellerweise gilt […] die Collage als das bildliche Verfahren, das in der Zusammenstellung des Heterogenen, dem Moment nicht assimilierbarer Alterität am ehesten gerecht wird. Es wird daher nicht erstaunen, dass Collagetechniken in der derzeitigen Kunst unübersehbare Aktualität erlangen. Sie kommen nicht nur zur Anwendung, um der Allgegenwart divergenter Bilder zum Ausdruck zu verhelfen und der Tatsache Rechnung zu tragen, dass sich in unseren Köpfen unzählige Bilder und Visionen bereits überlagern und durchmischen, sondern auch um die Bildwelten gegeneinander ins Feld zu führen […].


Wenn - wie bei der Künstlergruppe OLGA (Katharina Fengler, Stefan Panhans, Linn Schröder) - die Collage […] gekoppelt wird mit den ebenfalls im frühen 20. Jahrhundert entwickelten Formen kollektiver Produktion wie etwa dem bei den Surrealisten so beliebten Spiel "Cadavre exquis", dann werden zwei Verfahren kombiniert, die eine Subversion von Autorschaft und Eigenem versprechen. Schon im Surrealismus hatte man versucht, die Souveränität des Ichs und seine Zensurmechanismen dadurch auszuhebeln, dass man neben automatischen Verfahren der Bildproduktion auch mit multiplen Autorschaften experimentierte. Einem anderen die Fortführung der eigenen Arbeit zu überlassen, kann als sicherste Strategie gelten, um das Produzierte den avisierten Intentionen zu entfremden und andere, unbewusste Schichten zu erschliessen.


Die drei KünstlerInnen von OLGA haben wie beim "Cadavre exquis" Bilder in der Gruppe zirkulieren lassen, sie den Transformationen und bisweilen destruktiven Eingriffen der anderen ausgesetzt, um Bilder freizusetzen, die unvermutet den bekannten Sichtweisen entgehen. Ein Klischée lässt sich vornehmlich von einem anderen stören und was in ihrem Widerstreit geschieht, liesse sich mit Walter Benjamin als die Hervortreibung des Optisch-Unbewussten kennzeichnen.


Für die Collagen werden aus dem Feld der visuellen Kultur - mit Filmikonen, Popstars und Ausschnitten von Gemälden eines Rembrandt oder Vermeers - die bekannten Klassiker des Bildrepertoires aufgerufen und entstellt. Daneben dominieren aufreizende Bilder der Medien, deren pornografische Qualitäten offen zu Tage treten. Der voyeuristische Aspekt der Sexbilder und Kriegsfotografien wird nicht sublimiert, sondern eher durch weitere, ebenso phantasmatische Ausschnitte vermehrt, um das angestachelte Begehren zu überreizen und über sich hinaus zu treiben. Wenn man mit verdreifachten Augenpaaren schaut, dann zersplittert sich der Blick und gibt dem schizophrenen Verlangen nach Vervielfältigung und Wucherung Raum.


In einem Text von Georges Salles (Der Blick, 2001) […] heisst es nahezu surrealistisch anmutend: die Kraft eines Bildes sei um so grösser "je obskurer die Reserven und je unerforschter die Winkel, aus denen die gleichzeitigen Bilder sich speisen, die es erweckt". Und in diesem Sinne liesse sich die vervielfältigte Autorenschaft von OLGA und die Weitergabe der begonnenen Arbeiten an den nächsten als Probe darauf verstehen, welches bisher unbekannte Begehren das Bild im anderen entfacht. Was die kollektive Arbeit leistet, ist die Etablierung einer Vision, die jeden einzelnen seiner Sicht enteignet. Das collagierende Bildverfahren zielt also nicht auf den Konsum von Bildern, sondern im Gegenteil auf Enteignung und Befremdung. Durch das mehrhändige Ausschneiden, Aneinanderkleben, Überzeichnen, Beschreiben und erneute Überkleben wird ausserdem eine bildliche Zersetzungs- und Zerstäubungsmaschinerie eingesetzt, die als ein probates Kampfmittel gegen die etablierte "Politik der Sichtbarkeiten" angesehen werden kann.


Trotz der Zersplitterung homogener Visualisierungen erscheinen die collagierten Bildausschnitte nicht willkürlich zusammengestellt und man meint in der Serie eine kryptische Geschichte lesen zu können. So wie bei Max Ernst in seinen Collageromanen bestimmte Figuren, Themen und ein festumrissenes Bildrepertoire wiederkehren, so verflechten sich auch bei den Collagen von OLGA Motive und Verfahren zu untergründigen Erzählsträngen«


(Aus: Dr. Kathrin Busch, "OLGA - zur Collage als Verfahren künstlerischer Kontamination")


Hosted by Rik Reinking (geboren 1976, ist ein deutscher Kunstsammler und Kurator. Seit 1997 organisiert und kuratiert er diverse Ausstellungen in Kunsthallen und Museen, betreut Künstler und widmet sich seiner eigenen Sammlung)


Ausstellungsdauer 26.10. - 9.12.2006

Oeffnungszeiten Di-Fr 14 - 19 Uhr, Sa 13 - 17 Uhr


Galerie Artrepco
Ankerstrasse 24
8004 Zürich
Telefon +41 (0)44 252 08 08
Fax +41 (0)44 252 08 21
Email info@artrepco.com

www.artrepco.com




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52. Aenneken Skywalker Prize Tour, Part 3



Traditionally, the collage is an ideal visual method coping with heterogeneity and non assimiliated coexistence. Unsurprisingly, collage techniques gain a new highly visible topicality in current art. Not only to visualize the ubiquity of divergent images and to make allowance for the fact that countless images and visions interfuse in our minds, but also to play the visual worlds off against one another.


In the present case of the artistic group OLGA (Katharina Fengler, Stefan Panhans, Linn Schröder), the collage is achieved as a collective production, a method that was developped in the early 20th century (i.e. the popular Surrealist game "Cadavre exquis"). Hence, two methods annihilating autorship and individual identity are combined. Early on, Surrealists tried to annul one's self-awareness by experimenting with automatic image reproduction and multiple autorship. To let another person continue one's own work is a safe strategy to alienate it from previous intentions and to open up to new perspectives.


The three OLGA artists circulate images within their group, just like the "cadavre exquis" game. Thus, they expose their work to transformations and even destructive interventions in order to clear them for sudden new meanings. A cliché is affected by another cliché and could be specified - to plagiarize Walter Benjamin- as the creation of the unconscious visual.


The collages consist of all kinds of visual classics - film icons, pop stars, extracts of classic tableaus by Rembrandt or Vermeer - and also of irritating media images revealing pornographic qualities. The voyeuristic aspect of sex and war photographs are not sublimated, but rather propagated by more phantastic extracts overexciting and jiggering our incited desire. Looking through triple eyes our view is split and gives way to the schizophrenic urge of duplication and proliferation.


In his book "Le regard" (1939), Georges Salles declares his slightly surrealistic observation that an image's potency is the bigger "the more obscure its reserves and the less known its angles that feed the simultanous images". Thus, OLGA's multiple autorship and the transmission of one's own work to the next person can be interpreted as the unknown desire an image arouses in another person. The collective work enables a vision exempt from any individual perspectives. Thus, the collage method doesn't aim at consumption of images, gut rather at disappropriation and alienation. By cutting, glueing, redrawing, rewriting and reglueing, the establish a visual decomposition machinery, an adequate instrument for fighting the policy of visibility.


Despite the fragmented visualisation, the extracts in the collages are not arranged at random. The series even seems to bear an enigmatic story. As certain recurring characters, topics and images in Max Ernst's collage novels, some OLGA motives and methods entwine into profound narrative threads.


(in: Kathrin Busch, "OLGA - zur Collage als Verfahren künstlerischer Kontamination")


Hosted by Rik Reinking (born 1976, is a German art collector and curator. Since 1997, he organizes and curates various exhibitions in art spaces and museums, coaches artists and attends to his own collection.)


Translated by George Frederick Takis


Exhibition 26 October - 9 December 2006

Gallery hours Tues-Fri 2 - 9 pm, Sat 1 - 5 pm