© Osmar Osten

o. T., 2003, Tusche/Papier, 29,7 x 21 cm


Osmar Osten
Pupazzo di neve z.B.



…Osmar Osten löst Aggressionen aus, doch eher bei seinen Kollegen als beim Publikum. Anfangs war ich sprachlos, schien doch kaum ein Künstler das Prädikat kollegial mehr zu verdienen als er. Dann glaubte ich den Grund in der scheinbaren, nicht wirklichen Nachlässigkeit zu sehen, mit der er seine Dresdner peinture einsetzt. Er ist kein Banause. Schrecklicherweise kann dieser Mensch auch noch malen. Doch was er als malerisches Zitat einsetzt, ist bei anderen erkämpfter Ausdruck. Anders gesagt: Bei Osmar Osten gilt nichts als Gegeben, als unverwechselbarer authentischer Ausdruck seines Erlebens. Alles existiert nur in Beziehungen, ist vom Wechselspiel der Kräfte abhängig, und heute mehr denn je verfügbar. Deshalb muss er mit einiger Notwendigkeit mit den Meistern und Beherrschern vermeintlich neuer bis genialer Sichtweisen kollidieren. Deshalb sollte man seine Losung auch als Losung nehmen: "Künstler aller Länder rechtfertigt euch." …


Osmar Osten zum Beispiel rechtfertigt sich, nicht mit Erklärungen, schon gar nicht mit Plädoyers der Verteidigung. Er behauptet eine mögliche Form künstlerischer Existenz durch seine Konsequenz. Alltagsleben und Kunstproduktion gehören derselben Sphäre an.


Das eigentliche Schnippchen, das er dem Markt schlägt, ist jedoch ein anderes: ich kenne keinen Künstler, der so stets und ständig Künstler ist wie Osmar Osten. Er hat nur ein Gesicht. Er spricht seine Gedichte in derselben Sprache wie ein Telefonat. Da gibt es nicht den um die letzten Dinge bemühten zergrübelten Künstler und im nächsten Augenblick den leutseligen Alleinunterhalter. Osmar Osten kennt keine regelmäßigen Arbeitszeiten, keinen Feierabend, kein Jogging, kein Hobby. Die zahlreichen, mitunter ausgedehnten Autofahrten sind am ehesten Ausdruck seiner Seinsweise. Sie entspringen der Neugier, seinem beharrlichen Interesse an der Welt - und sind zugleich Fischzüge, bei dem ihm die Ideen ins Netz gehen. Osmar Osten verweigert sich nicht dem Markt, aber dem Gestus der Arbeit. Analog zu Baudelaires Satz: "Die schönste List des Teufels ist, dass er uns überzeugt, er existiere nicht" liesse sich zu Osmar Osten sagen: Die schönste List des Künstlers ist, dass er uns überzeugt, er arbeite nicht - "Kunst kommt von Küssen".


Text: Ingo Schulze (aus dem Buch: Ingo Schulze, Osmar Osten - "Künstler aller Länder rechtfertigt euch!", Verlag Gachnang & Springer, Bern - Berlin, 2003)


Ausstellungsdauer: 5.7. - 20.9.2003
Oeffnungszeiten: Mi-Sa 13 - 18 Uhr


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