© Mark Divo

Mark Divo: Nothing is Possible, 2004


Phantasmen

Mark Divo
, Marianne Engel, Nicola Van Zijl


Phantastisch und surreal sind die Fotografien und Installationen der drei KünstlerInnen Mark Divo, Marianne Engel und Nicola Van Zijl.


Mark Divo, der zusammen mit dem Künstlerkollektiv namens "Häuser und Wir" (in Anlehnung an die bekannte Zürcher Galerie Hauser & Wirth) oder "Foundation Krösus" und vielen andern KünstlerInnen in leerstehende Häuser einzieht und diese für Kunstinstallationen und Happenings umnutzt (u.a. ins Dadahaus in Zürich und vor kurzem erst in die Hummerbar und die Galerieräume an der Rämistrasse unterhalb des Kunsthauses), zeigt im Kunstraum Baden eine Gemeinschaftsarbeit mit Gabriel Serra aus Berlin.


Unter dem Titel "Abu Simpel" entstand eine Installation, die aus zwei überdimensionalen, animierten Figuren besteht und an die Pharaone von Abu Simbel in Aegypten erinnert, welche vor noch nicht allzu langer Zeit wegen der Entstehung eines künstlichen Sees versetzt werden mussten. Die Sockelinschrift lautet: "Jeder Stein, der abgerissen, wird von uns zurückgeschmissen".

Divo ist ein Künstler, der seine Installationen sowie seine Fotografien bis ins letzte Detail inszeniert. Zur Installation gehören auch zwei Fotografien, in denen Hunde, die schon mehrmals als Akteure in Divos Fotografien aufgetreten sind, die oben erwähnten Skulpturen entdecken und aufbauen helfen. Mark Divo erhielt von der Stadt Zürich das New York Stipendium zuerkannt und wird ab Juni an der Biennale von Prag vertreten sein.


© Marianne Engel

Marianne Engel: Orchidee, 2004


Marianne Engel findet die Sujets für ihre Fotografien meistens auf nächtlichen Streifzügen durch Wald und Feld. Fast alle Bilder sind Nachtaufnahmen von Orten in der Natur, manchmal auch von leerstehenden Häusern an abgelegenen Orten. Sie weisen auf Handlungen oder Abläufe hin, die sich dort abgespielt haben müssen, erzählen Geschichten, von denen wir am Ort des Geschehens nur noch übriggebliebene Spuren wahrnehmen. Wir erahnen das Vorgefallene, können es uns aber nicht erklären. Es sind fesselnde, rätselhafte Ansichten einer scheinbar beseelten Natur.


Engels Spiel mit Licht und Gegenlicht unterstützt diesen Eindruck. Was im klaren Tageslicht nüchtern erscheint, gewinnt in der Dunkelheit sein Geheimnis zurück und erscheint in einer phantastischen Farbenpracht. Der Anblick dieser surrealen Szenerien führt hin zu Ueberlegungen, dass der Lauf der Welt nach eigenen, für uns nicht einschaubaren Gesetzen funktioniert. Alles bewegt sich, ist gleichzeitig vergänglich und lebendig, phantastisch und konkret. Der Mensch ist davon ausgeschlossen, verdammt zum ewigen Betrachter, der nur erahnen kann, was sich an Grossartigem ereignet hat.


© Nicola Van Zijl

Nicola Van Zijl: Bildlichtung, 2004
Videostill


Nicola Van Zijls Fotografien mit dem Titel "Bildlichtung" und das Video "Bildfänger" sowie Videostills daraus zeigen Ausschnitte von Vorgängen, die sich in unserer Erinnerung abspielen. Zum Teil tapetenartig präsentiert, hängen Ketten von farbigen Erinnerungsfotos von Bäumen und drehen sich im Wind gleich Erinnerungsbildern, die im Geist vorüberziehen. Nur teilweise aufscheinend und schwer fassbar, verweben sie sich, überlagern sich, wirbeln durcheinander. Erlebtes wird auseinandergerissen und wieder neu zusammengesetzt.


Aus geordneten Bilderreihen entstehen chaotische Bilderfluten, die auf uns zukommen. Alles setzt sich neu zusammen. Ein Bild verdrängt das andere oder geht ins andere über. Der Inhalt wird zerstückelt, das Einheitliche zum Fragment. Die dabei entstehenden Bildrisse, aus denen sich neue Bildfolgen ergeben, bilden das Hauptmotiv der Videoprojektion. Speziell dafür erstellte, digitale Klänge verstärken den dramatischen Bildertanz noch. Das Thema "Erinnerung" ist in Van Zijls Werk nicht neu. Seit Beginn ihrer künstlerischen Tätigkeit hat sie es immer wieder aufgegriffen, wie z.B. in der Serie "Memory".


Text: Stefi Binder


Ausstellungsdauer: 28.4. - 5.6.2005
Oeffnungszeiten: Mi 12 - 21 Uhr, Do 12 - 18 Uhr,
Fr-So 12 - 16 Uhr, jeweils Mi Künstlerbar 18 - 21 Uhr


Kunstraum Baden
Haselstrasse 15 (Eingang Güterstrasse)
5400 Baden
Telefon 056 221 66 12
Email kunstraum@baden.ag.ch

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