Philippe Winninger - a bit of atmosphere

Philippe Winninger (*1956 in Marseille) hat eigentlich eine ganz klare Haltung zu den Dingen: J'aime le plastique. Dieser Ausspruch bezeichnet weit mehr als den Titel eines kleinen Heftes, das als "visuelle Anleitung" zur Installation "La Couveuse" 1996 an der Biennale in Vernier herausgegeben wurde, denn Plastik ist der gemeinsame Nenner von Philippe Winningers Arbeiten schlechthin.

Aus knallbunten Gebrauchsgegenständen wie Fliegenklatschen, Abfall- oder Putzeimern, Weichspüler-Verschlusskappen und immer wieder transparenten Plastikbechern baut der Künstler unverhofft phantastische Architekturen, die als Bühne und Rahmung für seine Computeranimationen dienen.

Das Thema, um das die Werke immer wieder kreisen, ist jenes der Kreation. Die Verwendung und Anordnung des an sich leblosen Materials geschieht nicht nur aus Freude am unverwechselbaren Artefakt, sondern wird vom Interesse am menschlichen Körper geleitet, verstanden als ein Organismus mit internen und externen Austauschprozessen. Die Installationen ihrerseits erinnern an Homöostaten, nicht-autonome dynamische Systeme, wie es beispielsweise die Grundbausteine des Lebens, die Zellen, sind. Der Künstler selber spricht gern von Technoiden, also von durch die Technik erschaffenen Dingen. Geradezu folgerichtig basierten seine ersten Animationen auch nicht auf irgendwelchen Bildbearbeitungsprogrammen, sondern waren direkt vom Computer umgesetzte Visualisierungen von MS-DOS Befehlen: Der Computer diente nicht als ein einfaches Illustrationswerkzeug, sondern war direkt beteiligter Creator.

Die Aktivität der im Computer generierten Wesen beschränkt sich zumeist auf ein Set von Grundfunktionen, das gemeinsam mit dem reduktionistischen Design der Digitalästhetik den Bogen zur glatten, universalen Haut des Plastik spannt. Die Einzelteile aus Plastik bestimmen dabei die Formen, welche in den Animationen wiederkehren; dies ist ein wichtiger Grund, weshalb Animation und Installation eine derart plausible Einheit bilden. Umgekehrt regen die fertigen Animationen die für jede Ausstellung und jeden Raum wieder etwas andere Architektur an, die vor allem zum Ziel hat, die Animationen optimal zu rahmen.

Der Kern der für das Kleine Helmhaus geschaffenen Arbeit "a bit of atmosphere" besteht aus drei Computeranimationen, wovon eine den Besucher zur Interaktion einlädt. Mit der Maus kann man die einzelnen Körperteile zu Wachstum und anderen Veränderungen stimulieren, sowie sich auf einer weiteren Ebene durch verschiedene Einzelwelten bewegen. Gemeinsam mit den Plastikgegenständen bilden die anthropomorphen Formen und puren Geometrien ein eigenwilliges Universum, das uns als lebendiger Organismus gegenübertritt.

(Text: Oliver Kielmayer)

Ausstellung: 27.10. - 10.12.2000
Oeffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr
Mo geschlossen
Eintritt frei

Kleines Helmhaus
Limmatquai 31
8001 Zürich
Telefon: 01 251 61 77
Fax: 01 261 56 72
E-Mail: helmhaus@access.ch

www.helmhaus.org


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