Richard Prince - Kunstmuseum Basel

Richard Prince - Photographs

Zwar fotografiert Richard Prince, gilt aber nicht eigentlich als Fotograf. Denn der 1949 geborene amerikanische Künstler lichtet keine realen Motive wie Menschen oder Landschaften ab. Er fotografiert Fotografien, genauer gesagt, er eignet sich insbesondere die künstlich inszenierte Wirklichkeit von Anzeigenfotos aus Zeitschriften an. Denn die Welt der Massenmedien, von Reklame und Kino, ist sowieso realer als die Realität. Die ersten refotografierten Fotografien entstanden in den späten 70er Jahren, etwa eine Folge von annähernd gleichen Wohnzimmerstaffagen oder eine Aufreihung von Männern, die alle repetitiv in die selbe Richtung schauen.

Hier setzt die Ausstellung im Museum für Gegenwartskunst mit verschiedenen wichtigen Exponaten ein. Diese lapidaren, kühlen und auch radikalen Zugriffe auf autorenlose Reklamebilder machten Prince berühmt, ohne aber die Popularität von Cindy Shermans Selbstinszenierungen zu erreichen: "Es ging nicht darum, den Tod des Autors zu verkünden, es ging eher darum, ein neues Leben für den Autor zu etablieren." (Prince)

Die Ausstellung, die das ganze zweite Obergeschoss einnimmt, gibt erstmals in der Schweiz einen Überblick über dieses einflussreiche, faszinierende und herausfordernde Werk. Rund 60 mehrteilige oder grossformatige Fotoarbeiten werden gezeigt, wobei neben den erwähnten Frühwerken das Schwergewicht auf dem Spannungsverhältnis der beiden Serien "Cowboys" und "Girlfriends" liegt, flankiert von den sogenannten "Gangs", die einzelne Bildmotive in rasterartigen Anordnungen auf weissem Grund vernetzen.

Hatte Andy Warhol noch per Siebdruckverfahren das Ikonenhafte einer Marylin Monroe oder Jackie Kennedy auf die Leinwand gebracht, konzentrieren sich die Bildaneignungen von Richard Prince auf das mythisierte Normalmass der amerikanischen Trivialkultur, so auf den Cowboy als Inbegriff des Abenteurers und unverwundbaren Einzelgängers.

Durch das Abfotografieren und Fragmentieren von weltweit präsenten, von der Zigarettenfirma Marlboro inszenierten Werbebildern geistern die maskulinen Heroen nur noch schattenhaft, aber von Konsumzwecken befreit durch die Prärie. In der verdoppelten Reproduktion aufgelöst, sind sie wohl Bilder der Sehnsucht, des Begehrens und der Verführung, aber auch Bilder der Unwirklichkeit und der Unidentifizierbarkeit.

Ergänzend wird die Kunsthalle Zürich vom 2. Februar bis 1. April 2002 das malerische Werk von Richard Prince zeigen. Im Verlauf der Ausstellung erscheinen im Hatje Cantz Verlag sowohl zur Fotografie als auch zur Malerei von Richard Prince je ein umfangreiches Artist Book, von einem Textheft begleitet.

Sponsor: Fonds für künstlerische Aktivitäten im Museum für Gegenwartskunst der Emanuel Hoffmann-Stiftung und der Christoph Merian Stiftung.

Ausstellungsdauer: 8.12.2001 - 24.2.2002
Oeffnungszeiten: Di, Do - So 10 - 17 Uhr, Mi 10 - 19 Uhr
Mo geschlossen

Kunstmuseum Basel
St. Alban-Graben 16
4010 Basel
Telefon: 061 206 62 62

www.kunstmuseumbasel.ch