© Roland Iselin


Roland Iselin
Domestic Comfort / Waiting



Am 14. Oktober 2006 wird der White Space 2-jährig. "Domestic Comfort / Waiting" von Roland Iselin ist bereits die 32. Ausstellung im White Space.


Roland Iselin zeigt Bilder aus zwei Porträtserien. Er besuchte und inszenierte seine Modelle in deren Wohnungen. Iselin legt den Fokus aber keineswegs auf die Intimsphäre der privaten Umgebung. Im Gegenteil: die Menschen sind inszeniert wie auf Filmsets. Die Künstlichkeit der Szenen wird unterstützt durch kräftiges Licht in Komplementärfarben. Roland Iselin versucht nicht, ins Innere seiner Modelle zu dringen, was sonst die Essenz der Porträtfotografie ist. Die Personen werden in ihrer intimsten Umgebung geradezu ihrer Persönlichkeit beraubt und stehen für allgemeinere Gefühlszustände. So erforscht "Waiting" den Zustand des Wartens; allerdings eines eher ungerichteten Wartens. Die Porträtierten sinnieren stehend oder sitzend fast ein bisschen verloren in ihren Wohnungen.


Als ob sie sich kurz über Sinn und Zweck ihrer Existenz oder auch nur über die Absicht der nächsten Handlung klar werden müssten. Noch deutlicher wird diese innere Haltung in "Domestic Comfort". Roland Iselin nennt es "innere Migration" - ein Grübeln, ein Rückzug aus der umgebenden Welt, aus dem Fluss der Zeit und des Raumes.


Im Gegensatz zu den Homestories in der Klatschpresse interessiert sich Iselin nicht für das private Glück in den eigenen vier Wänden (welches meistens ohnehin nur für die Pressefotografen vorgetäuscht wird), sondern er verdeutlicht die Momente des Unwohlseins - insofern ist der Titel der Arbeit natürlich kritisch zu verstehen. Die grossformatigen Fotografien bestechen nicht nur wegen der ungewöhnlichen Darstellung von Menschen (am ehesten mit dem Fotografen Gregory Crewdson vergleichbar), sondern auch wegen ihrer deutlichen Anlehnung an filmische Vorbilder. Man fühlt sich sofort an das kühle Design von David Lynchs "Lost Highway" erinnert. Oder an die Figuren aus Jim Jarmuschs "Stranger than Paradise". Und einmal mehr wird klar, dass das Fremde/das Befremdende und das Paradies/das Erhabene erstaunlich nahe beieinander liegen.


Ausstellungsdauer 21.9. - 14.10.2006

Öffnungszeiten Mi-Fr 18.30 - 20.30 Uhr, Sa 16 - 18 Uhr


White Space
Raum für aktuelle Kunst
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8004 Zürich
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