© Sven Johne

"Reck" aus "Wanderung durch die Lausitz", 2006


Sven Johne
Rückkehr der Wölfe



Der Raum für zeitgenössische Fotografie zeigt erstmalig in einer Schweizer Institution den deutschen Künstler Sven Johne (*1976 in Rügen, lebt und arbeitet in Leipzig) in einer Einzelausstellung. Im letzten Jahr war er in Genf in einer Gruppenausstellung vertreten. In der CoalMine zeigt er die fotografische Arbeit "Wanderung durch die Lausitz" (Infrarotaufnahmen, Text an Wand, 2006) sowie die Videoarbeit "Elmenhorst" (DVD, 6.30 min., 2006) - beide im Herbst letzten Jahres in der Galerie Amerika in Berlin zu sehen. In 2007 ist Johne neben der CoalMine in Winterthur, auch im Dortmunder Kunstverein und im Nassauischen Kunstverein in Wiesbaden mit einer Einzelausstellung vertreten. Zudem wurde in Zusammenarbeit mit dem Revolver Verlag in Frankfurt gerade erst das Künstlerbuch "Leben und Sterben in Ostdeutschland und anderswo" herausgegeben, welches auch in Winterthur zur Eröffnung präsentiert werden soll.


Geschichten aus der Lokalpresse bilden die Grundlage für seine meist zyklisch angelegten fotografischen Arbeiten. Nicht die Frage "Wahrheit" oder "Wirklichkeit" sind zentral, sondern entwickelt er meist aus gefundenen Abbildungen seine "fiktionalen" Geschichten in der Bildfolge. Johnes Prinzip, Bildgeschichten an realen Begebenheiten aufzuhängen mit dem Ziel der Diffusion von Wahrheit und Dichtung, umschreibt er selber folgendermassen: "Ich kann mir die Fiktion erlauben, die meine eigene Wahrheit ist, das ist wie beim Romancier, der aus der Wirklichkeit schöpft." Die Motivation solche Bild-Text Kompositionen zu schaffen, geht nach Aussage des Künstlers auf eine Meldung über ein Containerschiff in Seenot zurück. Eine andere Arbeit, z.B. "Kleistners Archiv", handelt von einem DDR Flüchtling, der schwimmend von Kühlungsborn die Insel Fehmarn erreichte und nach der Wende den Freitod suchte. Dabei soll dieser 358 Ostsee-Fotos hinterlassen haben. Jedoch ist Johne selbst der "Amateurfotograf" und Kleistner ist insofern eine fiktive Figur, dass Johne zwei Schicksale Ostdeutscher zu einem Schicksal verwoben hat.


Für die hier präsentierte fotografische Arbeit durchstreifte Johne, mit einer Infrarotkamera bewaffnet, zur nächtlichen Stunde auf einer historischen Wolfsroute die Lausitz-Wälder. Dabei sind Nachtaufnahmen der Suche nach Spuren von Wölfen entstanden, wobei kein einziger streunender Wolf dokumentiert werden konnte. Stattdessen zeigen seine Aufnahmen verlassene Orte, die die Natur langsam zurück zu erobern scheint.


In seiner Videoarbeit werden die Zuschauer zu Zeugen eines Strandspazierganges von Vater und erwachsenem Sohn. Die Protagonisten sind nicht in ein Gespräch verwickelt, sondern schweigen sich an. Nur das Rauschen des Meeres ist hörbar, was die Mimik der beiden noch zu steigern vermag: Aggression, Missverständnis und innere Verbundenheit sind gleichermassen präsent.


Sven Johne studierte zunächst Germanistik, Journalistik und Namensforschung. 2004 schloss er sein Studium der Fotografie bei Timm Rautert an der HGB Leipzig mit dem Diplom für Bildende Kunst ab. Im selben Jahr war er Stipendiat der Alfred Krupp von Bohlen Stiftung, in 2005 Marion Ermer Preisträger.


Kuratorin: Alexandra Blättler


Ausstellungsdauer 18.4. - 12.7.2007

Oeffnungszeiten Mo-Fr 8 - 20 Uhr, Sa 9 - 18 Uhr


COALmine Fotogalerie
Raum für zeitgenössische Schweizer Fotografie
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