Thomas Ruff: "nudes pro 08", C-Print, 152 x 110 cm, Edition 5

nudes pro 08
C-Print, 152 x 110 cm, Edition 5


Thomas Ruff - nudes


In der Ausstellung ist die vorerst letzte Gruppe aus Thomas Ruffs Serie "nudes" zu sehen. In ihr zeigt der Künstler pornographisches Bildmaterial, das er im Internet vorgefunden und digital überarbeitet hat.


Schon die extreme Vergrösserung der einzelnen Motive bewirkt eine starke Verfremdung und Verunklärung. Dieser Verfremdungseffekt ist bedingt, zum einen durch die geringe Auflösung der kleinformatigen Vorlagen, zum anderen aber auch durch gezielte Eingriffe des Künstlers, wie z.B. Verwischungen und farbliche Veränderungen. Die Protagonisten der Pornodarstellungen erscheinen nun annähernd lebensgross, wie in einer klassischen Aktdarstellung. Dies führt zu einer eigentümlichen Spannung zwischen pornographischem Motiv und klassischer Bildform.


Durch die gezielte Auswahl und Bearbeitung des Ausgangsmaterials verlieren die Motive ihre Beliebigkeit und Austauschbarkeit. Die Wahl des Ausschnitts, die Gewichtung einzelner Bildelemente und teilweise auch die Farbigkeit erinnern häufig an klassische Gestaltungsprinzipien. Hierdurch erreicht der Künstler eine starke Formalisierung und Ästhetisierung. Immer wieder wird man an klassische Akte der Malerei erinnert. Aber auch extreme Stilisierungen kommen vor, die bis ins Groteske übersteigert werden können. Beispielsweise wird der formale Bildaufbau dem Betrachtenden durch das Einspannen der Körper in eine rigide symmetrische Komposition bewusst gemacht oder gewinnt durch die visuelle Zerstückelung und Fragmentierung der Körper Eigenständigkeit. Eine distanzierte und analytische Auseinandersetzung mit den pornographischen Darstellungen wird so vor den Bildern möglich. Die pornographischen Akte rücken dem Betrachtenden nicht zu nahe: Nicht Illusion, sondern Dekonstruktion wird erreicht.


Die Fülle der Motive der Serie ist integraler Bestandteil der Arbeit und nicht nur als Variation des Themas zu sehen. Kaleidoskopartig führt sie das ganze Spektrum der in den Pornos gezeigten sexuellen Praktiken vor Augen und verweist so auf ein gängiges Prinzip von Pornographie, die in variierender Wiederholung das Immergleiche als immer wieder neuartig, authentisch und reizvoll zu präsentieren versucht. Dass Sexualität immer auch kulturelles Konstrukt ist, wird auf diese Weise für den Betrachter sichtbar. Gleichzeitig wird die Profanierung der Sexualität in den pornographischen Motiven in Thomas Ruffs "nudes" wieder aufgehoben, weil der Betrachter durch die Eingriffe des Künstlers dazu gezwungen wird, sie unter ästhetischen Gesichtspunkten zu betrachten.


(Text: Iris Wien)


Ausstellungsdauer: 16.2. - 31.3.2001
Oeffnungszeiten: Di-Fr 11 - 18.30 Uhr, Sa 11 - 16 Uhr


Mai 36 Galerie
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