© Tom Wood

Rachel


Tom Wood
Sad Beautiful Life



Tom Woods Modelle wirken wie bekannte, vertraute Menschen – junge Frauen, deren Blüte schon vorüber ist, bevor sie überhaupt beginnen konnte, Männer in den besten Jahren, die stolz das Fleisch gewordene Ergebnis unzähliger Biere vor sich hertragen, Gesichter von Müttern, ungeschminkt, müde und zerfurcht, in denen all der Stress und die Sorgen des Alltags schon deutliche Spuren hinterlassen haben. Diese Vertrautheit mag einerseits an der überaus intimen und trotzdem nie die Persönlichkeit verletzenden Art dieser Porträts liegen. Andererseits aber auch an der Intensität des fotografischen Blickes, der die reine dokumentarische Information verblassen lässt. Hier blicken Menschen in die Kamera, wie man sie tagtäglich trifft. Tom Wood zeigt Menschen aus seiner Nachbarschaft. Menschen, die grösstenteils dem Arbeitermilieu entstammen, das schon kleinbürgerliche Züge trägt. Er fotografiert sie auf den Strassen Liverpools und in Clubs, wo sie ihrem schalen Wochenendvergnügen nachgehen, in Restaurants, in Bussen, an Haltestellen und in einem Hospital.


Seit dreissig Jahren findet Tom Wood (geb. 1951 in Irland) seine Bildwelt in Liverpool. Damit gehört er zu den wenigen Fotografen, die das Angebot der globalen Allgegenwärtigkeit nicht annehmen. Für sein fotografisches Konzept bemüht er nicht Motivmaterial aus aller Welt, sondern findet seit Jahrzehnten mit einem sicheren Gespür für ästhetische Qualitäten und menschlichem Empfinden seine Motive in der englischen Industriestadt und deren Umgebung.


Mit Beharrlichkeit und Ausdauer, einem nüchternen, unsentimentalen Realismus und einer einzigartigen Sensibilität für menschliche Momente und ihre ästhetische Durchdringung erspürt er das Wesentliche im Flüchtig-Zufälligen und schafft Menschenbilder von seltener Eindringlichkeit und Authentizität. Das fotografische Thema von Tom Wood ist die Einzigartigkeit jedes Menschen, die dennoch von bestimmten gesellschaftlichen Rahmen geprägt ist. Jeder Mensch bringt in seiner höchst individuellen Lebensgeschichte eine unverwechselbare Erfahrung zum Ausdruck. Gleichzeitig gilt jedoch die Feststellung, dass die sozialen und ökonomischen Verhältnisse den Menschen bestimmen. Diese Wechselbeziehung dokumentiert Tom Wood seit Beginn seiner fotografischen Arbeit.


Woods prägnante Bilder fallen weder durch ein besonderes Format oder eine spezielle Technik, noch durch spektakuläre Motive auf. Vielmehr überrascht die zupackende, scheinbar unvermittelte Direktheit, die Fülle und Schlichtheit. Seine Fotografien – sowohl schwarz/weiss als auch in Farbe – sind geprägt von Respekt, einer grossen Nähe und prinzipieller Vertrautheit mit den Abgebildeten, immer mit einem Anflug von Zärtlichkeit. Diese Grundhaltung, die alle seine Aufnahmen durchdringt, überzeugte auch die Jury des letzten Fotofestival von Arles – sie ehrte Tom Wood mit dem "Prix Dialogue De L’Humanité (Outreach Award) 2002".


Ausstellungsdauer: 12.7. - 31.8.2003
Oeffnungszeiten: täglich 11 - 19 Uhr


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