© Stefan Banz
Stefan Banz: "Girl", 2001
Farbfotografie (C-Print), 150 x 225 cm
Courtesy Stefan Banz, Luzern /
Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz.

Wallflowers
Grosse Fotografien

Stefan Banz, Balthasar Burkhard, Jean-Marc Bustamante, Maurizio Cattelan, Peter Fischli/David Weiss, Andreas Gursky, Stephan Hablützel, Teresa Hubbard/Alexander Birchler, Beat Streuli, Thomas Struth, Jeff Wall, Jane & Louise Wilson

Wandfotografien…? Fotografische Wandbilder? Womöglich denkt man dabei an die Fototapeten, die in den siebziger Jahren Mietwohnungen in polynesische Strandlandschaften oder herbstliche Lärchenwälder verwandelten. Im Normalfall lebt die Fotografie in der Horizontalen. Der grösste Teil professioneller Fotos wird gemacht, um gedruckt und in Zeitungen, Zeitschriften oder Büchern betrachtet zu werden. Und so haftet Ausstellungen von klassischer Fotografie etwas Linkisches an. Ein wenig verlegen, wie blossgestellt, stehen die intimen Abzüge gerahmt und passepartouriert an den Wänden Spalier. Und mancher Besucher, der sich durch eine grosse Ausstellung historischer Fotografie bewegt, mag sich schon auf den Katalog freuen, der ihm die Bilder zu Hause ohne Gedrängel in einem angemesseneren Rahmen präsentieren wird.

Der Hinweis auf die Ausstellung führt allerdings auf die richtige Spur. Dem Kern der Grossfotografie nähert man sich, indem man die Fotografie nicht als Gegenspielerin, wie die Theorie dies gern tut, sondern als die jüngere Schwester der Malerei erkennt.

Ausstellung bedeutet Präsenz im Raum, an der Wand. Man muss nun gar nicht bis zu den steinzeitlichen Höhlenmalereien zurückgehen. Auch die Entwicklung und die Vollendung der neuzeitlichen europäischen Malerei vollzieht sich – von Giottos drei grossen Freskenzyklen in Assisi, Padua und Florenz über Piero della Francesca bis hin zur Sixtinischen Kapelle und Raffaels Stanzen des Vatikans – wesentlich an der Wand und nicht auf der Staffelei: monumentale Synthese von Farbe und Form in der Fläche, wo sich die perspektivische Welt dem Realraum ihrer architektonischen Umgebung stellt. Die höchste Aufgabe der Malerei ist in der Zeit ihrer höchsten Blüte die Gestaltung der Wand.

Mit der lakonischen Bemerkung, sie habe «… die ursprüngliche Bestimmung, leere Wandflächen auszufüllen», weist ihr noch Hegel ihre eigentliche Aufgabe im Ensemble der bildenden Künste zu.

Ausstellungsdauer: 14.6. - 15.9.2002
Öffnungszeiten: Di-Do 10 - 21 Uhr, Fr-So 10 - 17 Uhr

Kunsthaus Zürich
Heimplatz 1
8001 Zürich
Telefon 01 253 84 97 Ausstellungsprogramm und Öffnungszeiten (Tonband)
Fax 01 253 84 33
E-Mail info@kunsthaus.ch

www.kunsthaus.ch