© Berenice Abbott

© Berenice Abbott: Broom Street, New York, 1935


Women Photographers - Reporterinnen aus Leidenschaft

Berenice Abbott
, Letizia Battaglia, Lola Alvarez Bravo, Margaret Bourke-White, Marilyn Bridges, Monique Jacot, Tina Modotti, Elisabeth Sunday, Mariana Yampolsky


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"Always, when the words 'art' or 'artistic' are applied to my photographic work I am disagreeable affected. I consider myself a photographer, nothing more&Mac226; If my photographs differ from that which is usually done in this filed, it is precisely because I try to produce no art but honest photographs, without distortions or manipulations." (Tina Modotti, "On Photography", Mexican Folkways, vol. 5, no. 4, 1929)


ArteF Galerie für Kunstfotografie beginnt das neue Jahr mit einer faszinierenden Hommage an acht berühmte Fotoreporterinnen unserer Zeit - von den 20er Jahren bis in die Gegenwart. Unterschiedlich in Themen und Techniken, ist ihnen allen etwas gemeinsam: Es sind engagierte Frauen mit ungewöhnlichen Lebensläufen und einem scharfen Blick für das, was um sie herum geschah. Damit haben sie sich in der traditionell männlichen Domäne der Reportage-Fotografie ihren eigenen Platz erkämpft. Mit rund 50 Werken zeigt "Women Photographers" einen Überblick über das künstlerische Werk dieser aussergewöhnlichen Frauen.


Berenice Abbott (1898-1991) ist berühmt für ihre schwarzweissen Fotografien von New York City; sie dokumentierte zwischen 1935 und 1939 in mehreren hundert Aufnahmen den Wandel einer Stadt, die - nicht nur damals- als "Metropolis" Amerikas galt und die ihr Gesicht unter den massiven Einwirkungen von Depression und Spekulantentum in rasantem Tempo veränderte. Abbotts Leitfigur bei der systematischen Erfassung von Strassenzügen, einzelnen Gebäuden und Plätzen war Eugène Atget. "Ich habe eine für die künstlerische Entwicklung heilsame Erfahrung gemacht: Je mehr man tut, umso mehr merkt man, was für ein uferloses Thema die Metropole ist und dass man für alle Ewigkeit fotografieren könnte".


Tina Modotti (1896-1942), Lola Alvarez Bravo (1903-1993) und Mariana Yampolsky (1925-2002) dokumentieren das Mexiko des künstlerischen und politischen Aufbruchs in den Jahren nach der Revolution. Ihre nur selten zu sehenden Fotografien porträtieren den mexikanischen Alltag der kleinen Leute und markieren gleichzeitig die verschiedenen künstlerischen Sichtweisen und Neuerungen in der bildenden Kunst, die in dieser hoch kreativen Periode entstanden.


Margaret Bourke-White (1904-1971) war die erste Kriegsfotografin unserer Zeit. Während des deutschen Überfalls war sie die einzige westliche Fotoreporterin und dokumentierte vor allem die deutschen Luftangriffe auf Moskau. Die Italienerin Letizia Battaglia (1938) sorgte weltweit für Aufsehen mit ihren mutigen und aufrüttelnden Fotos der Mafia-Verbrechen in Sizilien. Sie ist die erste europäische Fotografin, die den renommierten Eugene Smith Preis gewann, den "Nobelpreis" der Fotografie. Marilyn Bridges (1948) ist eine der weltweit führenden Luft-Fotografen. Die leidenschaftliche Pilotin schiesst ihre Bilder von sakralen und weltlichen Bauwerken und Landschaften im Tiefflug aus einem einmotorigen Flugzeug heraus.


Elisabeth Sunday (1958) fotografiert seit über 20 Jahren ihre Motive, beziehungsweise deren Reflexion, in einem der beiden eigens angefertigten Spiegeln, die sie selbst entworfen hat. Der Spiegel dient als Metapher für die Seele, der die unsichtbare Welt des Geistes und der menschlichen Emotion widerspiegelt. In ihrer Serie "Tuareg" verwendet sie den Spiegel um die Stärke und Schönheit dieses Nomadenvolkes zu enthüllen. Sie hat die Frauen in den windgepeitschen Dünen der Sahara fotografiert, während ihre losen, indigogefärbten Gewänder sich zu ungewöhnlichen Formen aufblähten. Von ihren Männern verehrt, kümmern sich die Tuareg Frauen traditionell ausschliesslich um die Erziehung der Kinder, während ihre Männer das Kochen, Putzen und Weben übernehmen und sogar die Hände der Frauen mit Henna färben. Sie glauben fest daran, dass Kindererziehung allein ein ganzes Leben ausfüllt und ermuntern ihre Frauen, sich auszuruhen, Sahne zu essen und süssen Pfefferminztee zu nippen. Sunday glaubt, dass die Frauen durch diesen ihnen entgegen gebrachten Respekt gestärkt werden und eine besondere Kraft und Würde ausstrahlen, die sie in ihrer Arbeit reflektieren will.


Neben Fotos aus den 50er Jahren sind in der Ausstellung auch noch nie gezeigte Arbeiten der Schweizer Fotografin Monique Jacot (1934) zu sehen. Sie hat sich mit ihren engagierten Reportagen über den Alltag und die Arbeitsbedingungen von Frauen einen Namen gemacht. Immer steht der Mensch im Mittelpunkt ihres Interesses. Monique Jacots Schaffen zeichnet sich durch Entdeckungslust, Offenheit und spielerische Grenzüberschreitungen aus. Als eine der wenigen Frauen hat Monique Jacot die Schweizer Fotografie entscheidend mit geprägt und sich darin einen eigenständigen Platz gesichert. 2005 widmete ihr die Fotostiftung Winterthur eine grosse Retrospektive.


Die Frage nach einer spezifisch weiblichen Sichtweise und ihrem künstlerischen Ausdruck wird immer wieder neu gestellt. Ob eben solches in dieser Ausstellung erkennbar ist, kann nur jeder und jede für sich selbst beantworten. Es wäre einen Versuch wert: Man hänge unterschiedliche Fotografien ohne Namen auf und lasse dann raten, ob das Foto von einer Frau oder einem Mann gemacht wurde. Das Ergebnis sagt womöglich mehr darüber aus, was wir für männlich oder weiblich halten, als wer es tatsächlich kreiert hat. Am Ende bleibt die Frage offen: Hat Kunst ein Geschlecht?


Ausstellungsdauer 12.1. - 24.2.2007

Öffnungszeiten Di-Fr 13 - 18 Uhr, Sa 11 - 16 Uhr,
und nach Verabredung


ArteF Fine Art Photography Gallery
Splügenstrasse 11
8002 Zürich
Telefon +41 (0)43 817 66 40
Email info@artef.com

www.artef.com





Women Photographers - Photojournalists out of passion

Berenice Abbott
, Letizia Battaglia, Lola Alvarez Bravo, Margaret Bourke-White, Marilyn Bridges, Monique Jacot, Tina Modotti, Elisabeth Sunday, Mariana Yampolsky


"When the words 'art' or 'artistic' are applied to my photographic work, it displeases me. I consider myself a photographer, nothing more. If my photographs differ from those which are usually taken in this field, it is precisely because I try to produce not art but honest photographs, without distortions or manipulations." (Tina Modotti, "On Photography", Mexican Folkways, vol. 5, no. 4, 1929)


ArteF Fine Art Photography Gallery is starting the New Year with a fascinating homage to nine famous female photojournalists of our time - from the 1920s up to the present. Although each explores different themes and uses different techniques, they all have one thing in common: they are committed women with unusual life stories and a keen eye for what is happening around them and have thus won their own place in the traditionally male domain of photojournalism. Showing around 50 works, "Women Photographers" gives an overview of the artistic oeuvre of these remarkable women.


Berenice Abbott (1898-1991) is famous for her black & white photographs of New York City. With several hundred shots, she documented the change of the city between 1935 and 1939, which was regarded - not only at that time - as the Metropolis of America, and which altered its appearance rapidly under the effects of the Depression and speculation on the stock market. Abbott's inspiration behind the systematic capture of streets, individual buildings and squares was Eugène Atget. "I have had an experience beneficial to artistic development: the more you do it, the more you notice what an endless theme the Metropolis is and you realise you could photograph it for ever." Berenice Abbott


Tina Modotti (1896-1942), Lola Alvarez Bravo (1903-1993) and Mariana Yampolsky (1925-2002) depict Mexico at the time of the artistic and political emergence in the years after the revolution. Their rarely seen photographs portray the everyday life of the ordinary people in Mexico and at the same time highlight the different artistic perspectives and innovations in fine art, which originated during this highly creative period.


Margaret Bourke-White (1904-1971) was the first female war photographer of our time. During the German invasion she was the only female Western photojournalist and documented the air strike on Moscow in particular. The Italian Letizia Battaglia's (1938) courageous and stirring photos of Mafia crimes in Sicily ensured she became a worldwide sensation. She was the first female European photographer to win the renowned Eugene Smith prize, the Nobel Prize of photography. Marilyn Bridges (1948) is one of the world's leading aerial photographers. The dedicated pilot takes her pictures of sacred and secular buildings and landscapes during low-level flights in a single-engine aeroplane.


Elisabeth Sunday (1958) has photographed for more than twenty years her subjects, or more precisely, her subject's reflections, in one of two custom-made mirrors she designed. The mirror serves as metaphor for the anima, reflecting the invisible world of spirit and human emotion. In her series, "Turareg," Sunday uses her mirrors once again to reveal the strength and beauty of these nomadic peoples. She photographed the women in the windswept dunes of the Sahara, while their loose, indigo-dyed garments billowed into unfamiliar shapes. Revered by their men, Tuareg women are typically tasked solely with raising children, while the men cook, clean, weave, and even henna the women's hands. The men, who believe childcare "is enough work to fill a life," encourage the women to relax, eat cream, and sip sweet mint tea. Sunday believes the women have become emboldened by the power they hold, a strength she wants to reflect in her work.


Alongside photos from the 1950s, the show displays never before shown works by the Swiss photographer Monique Jacot (1934). She made a name for herself with her detailed report about the everyday life and working conditions of women. People have always been the focus of her interest. Monique Jacot's works playfully push boundaries and illustrate her openness and desire for discovery. As one of the few female Swiss photographers, Monique Jacot has decidedly left her mark and thus ensured herself an original place in history. In 2005, the Fotostiftung Schweiz, in Winterthur dedicated a large retrospective to her.


The question of whether there is a specific female perspective and manner of artistic expression will always be asked. Whether it is answered in this exhibition is for you to discover. It's worth trying. Photos have been displayed without names, leaving you to guess whether the photo was taken by a man or a woman. The result possibly says more about what is considered to be male or female, rather than who actually created it. In the end, the question remains: Does art have a gender?


Exhibition January 12 - February 24, 2007

Opening hours Tues-Fri 1 - 6 pm, Sat 11 am - 4 pm,
and by appointment