© Michael Blättler

Michael Blättler: Spiegel-Stadion


Kristallisation

Michael Blättler
, Joëlle Flumet, Reto Pulfer


Die Ausstellung zeigt drei verschiedene künstlerische Handlungen, die alle mit der Zweckentfremdung und Rekontextualisierung von vorgefundenen Materialien arbeiten. Durch das Ordnen, herausschälen, verschieben, isolieren und inszenieren vollzieht sich ein Bedeutungswandel.


Das Ausgangsmaterial ist belanglos. Nur unter genau den richtigen Voraussetzungen kann sich ein Kunstwerk herauskristallisieren. Materialien werden gesammelt, gesichtet und sortiert. Sind die richtigen Voraussetzungen geschaffen, setzt ein wunderlicher Prozess ein. Die Kristallisation. Das Material verdichtet sich, es wird mit Bedeutung aufgeladen. Eine Transformation setzt ein, es entsteht ein Kunstwerk.


Laut Roland Barthes kann alles zum Mythos werden. "Jeder Gegenstand der Welt kann von einer geschlossenen stummen Existenz zu einem besprochenen, für die Gesellschaft offenen Zustand übergehen, denn kein - natürliches oder nicht natürliches - Gesetz verbietet, von Dingen zu sprechen."


Wie kann ein Objekt die Bedeutung eines Kunstwerks erlangen? Was braucht es, damit sich aus einer Lösung ein Kristall bilden kann? Welches Werk erlischt wie eine Sternschnuppe und welcher Stern bleibt am Himmel stehen?


Ursprünglich einfaches Material erfährt durch Entfremdung und Überführung in den Kunstkontext einen massiven Bedeutungswandel. Das Objekt verlässt seinen ihm eigenen, spezifischen Kontext und gleichzeitig geht der ursprüngliche Sinn des Gegenstandes verloren. Das zum Exponat gewordene Objekt wird im Ausstellungskontext völlig neu und anders betrachtet. Die künstlerische Arbeit konzentriert sich auf den Umgang mit den Beziehungen die zum Objekt und zum seinem aktuellen, ebenso wie zu seinem ursprünglichen Kontext hergestellt werden können.


Kuratorin: Susanne Sauter


Michael Blättler, Spiegel-Stadion, Installation
Michael Blättler (geboren 1972, lebt in Zürich) ist ein Sammler. Wer weiss wie viel Zeit er in Brockenhäusern verbringt? Nach was sucht er? Nur bestimmte Artikel sind von Interesse, so zum Beispiel Uhren, Kassettengeräte und Spiegel. Ästhetische Kriterien spielen eine wichtige Rolle. Die Fundstücke werden zweckentfremdet. Gebrauchsgegenstände werden an der Wand arrangiert so dass ein Wandbild entsteht. Es sind jedoch nur die Rückseiten der Gegenstände sichtbar. Durch ihre Farben und Formen erzeugen sie ein Ornament auf der Wand. Trotzdem ist der Gegenstand klar identifizierbar und der vorbestimmte Verwendungszweck kann nachvollzogen werden. Durch die spezifische Anordnung bringt er ganz andere Begrifflichkeiten ins Spiel.


© Joëlle Flumet

Joëlle Flumet: Meuble de Rangement


Joëlle Flumet, Projet Repli, les Objets de prestige, Meuble de rangement, Installationen und Objekte, Fotografie
Ein wichtiges Thema der Künstlerin Joëlle Flumet (geboren 1971, lebt in Genf) ist der Umgang und die Aneignung von Territorien. Sie schlägt eine spielerische und ironische Handlungsweise vor. Durch die Deplazierung und Zweckentfremdung von ganz gewöhnlichen Objekten stellt sie neue Zusammenhänge her. Statt sich in einer immer gleich bleibenden Umgebung zu langweilen oder sich von etablierten Trends verführen zu lassen, bevorzugt sie, eine ganz eigene Umgebung zu gestalten. Zur Konstruktion dieser eigenen Welt bevorzugt sie Geräte und Materialien, die einem aus anderen Kontexten vertraut sind. Mit präzis ausgewählten Elementen fertigt sie Möblierungen und Raumbespielungen, die ein eigenartiges System von Zeichen und unerwartete Zusammenhänge entdecken lassen.


© Reto Pulfer

Reto Pulfer: Flint, Work in Progress


Reto Pulfer, Performance, Skulptur, Zeichnung, Musik
Reto Pulfer (geboren 1981 in Bern, lebt in Arlesheim und Berlin) benutzt den unvorhersehbaren Augenblick als Auslöser. Der situative Zustand kennt keinen vorgefertigten Plan. Der Prozess beginnt im Chaos. Das Stolpern bei der Umsetzung einer Idee ist nicht Fehler, sondern Präzisierung durch Revision. Erst in der Lücke zwischen Ereignis und Erkenntnis, zwischen Unordnung und Ordnung entfaltet sich eine unvorhersehbare Bandbreite von Verlaufsmöglichkeiten. Es entsteht kein fertiges Produkt, die Betrachterin/der Betrachter wird konfrontiert mit einem Vorgang, in dem immer wieder neu nach Formen und Ordnungen gesucht wird. Kein Zustand ist absolut.


Wir danken Pro Helvetia für die Unterstützung dieser Ausstellung.


Der White Space - Raum für Kunst und Untersuchung wird Unterstützt vom BAK und vom Migros Kulturprozent.


Ausstellungsdauer 18.4. - 10.5.2008

Öffnungszeiten Do-Fr 17 - 19 Uhr, Sa 15 - 17 Uhr
und nach Vereinbarung


White Space
Raum für Kunst und Untersuchungen
Militärstrasse 76
8004 Zürich
Telefon +41 (0)44 273 13 31
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