© Monika Müller


Monika Müller
I feel the earth move



In fein ausgearbeiteten Bleistiftzeichnungen auf grossformatigen, weiss grundierten MDF-Platten präsentiert Monika Müller (*1969, Hergiswil) Zeichnungen von wilden Gegenden, welche durch Abstraktion von Oberflächenbeschaffenheiten und Dunkelwerten Assoziationen von Schnee- und Eislandschaften hervorrufen. Entgegen der scheinbaren Bezugslosigkeit der Referenz zum modernen Leben, beherbergt dieses Motiv hohe Brisanz in der Gegenwart.


Gerade die Bewohner der Schweiz sollten eine hohe Sensibilität für Eismassen ausgebildet haben. Weniger hervorgerufen durch den sonntäglichen Genuss von Skirennen am Fernsehen, oder wegen dem frühjugendlichen Besuch des Gletschergartens, sondern durch die tägliche Betrachtung der Auswirkungen der Gletschermassen der letzten Glazialen. Fast alle Hügel zwischen den Alpen und dem Jurabogen sind als End- und Seitenmoränen von Gletscherzungen entstanden, und manches Seebecken dazwischen hat diesen als Bett gedient. Diese Urgewalt steht im Gegensatz zur heutigen Verfassung, welche durch die klimatische Warmphase hervorgerufen wird. Dass diese Erwärmung nicht unbedingt einem natürlichen Zyklus unterworfen ist, sondern vom Menschen geschaffen wurde, wird durch immer mehr wissenschaftliche Publikationen belegt.


In den Bildern von Monika Müller ist es jedoch so, als ob diese vermeintliche Kausalität zwischen Umweltbelastungen hier und Gletscherschwund da nicht bestehen würde. Enorme Eisfelder von archaischer Beschaffenheit werden gezeigt, begleitet jedoch von übernatürlichen Erscheinungen: dort ist eine Dunstwolke, welche wie eine gigantische Haarsträhne über Bergflanken zieht, oder ein Firmament, welches über dem Horizont nicht ins Sphärische verläuft, sondern abrupt an unsichtbaren, orthogonal gelegten Grenzen endet. Statt von einem Himmelsgewölbe überspannt, ist diese Welt eher in einem Flur untergebracht.


Diese Ausformungen unterlaufen sich gegenseitig auf bedrohliche Art: zum einen der Grund, welcher sich in seiner autarken Konsistenz in unendliche Weiten zu erstrecken scheint, andererseits die Zeichen im Himmel, welche auf handliche Dimensionen verweisen und wohl von einer externen Instanz hervorgerufen wurden.


Egal, welcher Bezug bei der Betrachtung angenommen wird, ob man als Gott auf die Eisplatten runter schaut, oder als Pinguin zum Himmel äugt; die charakteristische Wesensart der Landschaft ist schlussendlich nur Illusion in diesem Modell.


Wird der Titel der Ausstellung nach dieser Betrachtung gelesen, ändert sich dessen Aussage grundlegend. Mag die Aussage "I feel the earth move" an frisch verliebte Teenager, oder an Newage inspirierte Hippies gemahnen, stellt man nun fest, dass dahinter eine kritische Beobachtung steckt; diese Bilder sind eben keine Widergabe der Umwelt, sondern stellen Dystopien dar, in aller Schönheit, welche diese überhaupt annehmen können.


Ausstellungsdauer 19.4. - 17.5.2008

Öffnungszeiten Do-Fr 16 - 19 Uhr, Sa 11 - 16 Uhr,
und nach Verabredung


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